Wir kamen überein, noch am gleichen Tage nach Tanah Putih (weisse Erde), Bui Djalongs Niederlassung, hinunterzufahren. Während der Zubereitung des Essens gelang es den Kĕnja, alle Böte bis in unser Lager zu ziehen, doch reichte ihre Hilfe für die grosse Anzahl Menschen und das viele Gepäck nicht aus. Als die Kĕnja aber den Kajan einen Pfad anwiesen, auf dem sie sich über Land allein nach Tanah Putih vorausbegeben konnten, fürchteten die Mahakamhelden jedoch einen Fallstrick und erfanden allerlei Ausflüchte, um zu bleiben, bis sie alle zusammen abgeholt werden konnten; auch Kwing behauptete, sich dem mit uns zugleich abreisenden Teil der Kajan nicht anschliessen zu können, da diese später ihre Landsleute nicht mehr von Tanah Putih aus würden abholen wollen, was sie für ihn dagegen gern tun würden. Nachdem alle vorhandenen Böte gut beladen und alles Personal, das mitfahren sollte, aufgebrochen war, bestiegen auch Bui Djalong, dessen Sohn und ich ein Boot und fuhren als letzte ab. Wegen der Schnelligkeit der Fahrt flussabwärts wurden uns verschiedene Stellen gefährlich, namentlich die zahlreichen Stromschnellen, die durch grosse, auf Schuttbänken liegende Blöcke verursacht wurden, an die wir bei dem niedrig stehenden Wasser anzuprallen und umzuschlagen riskierten. In einer besonders langen Stromschnelle, in welcher der Fluss um 20 m fiel, verliessen alle Männer das Boot, um dieses schwimmend im Gleichgewicht zu halten, wobei sie selbst vom Strome halb mitgerissen wurden.

Auf der Strecke bis zum Anlegeplatz von Tanah Putih senkte sich der nordwestlich strömende Fluss um 50 m. Die Umgegend war gebirgig und an den meisten Abhängen des rechten Ufers zeugten aufsteigende Rauchwolken von dem Vorhandensein vieler Reisfelder, von denen einige hoch über dem Fluss angelegt waren. Das Land zur Linken war unbewohnt, weil die Kĕnja dort Überfälle seitens der Batang-Lupar aus Sĕrawak fürchteten.

Das blossliegende Gestein bestand hier ebenfalls aus abwechselnden Schiefern und Sandsteinschichten, nur kamen an verschiedenen Stellen Basaltblöcke in diesen vor. Einmal passierten wir auch eine prachtvolle Basaltmauer, die ganz aus senkrechten Pfeilern zu bestehen schien.

Tanah Putih lag nicht am Kajan selbst, sondern an dessen Nebenfluss Djĕmhāng. Wegen der langen Reihe schwer passierbarer Wasserfälle, die sich kurz vor dessen Mündung befinden, hatte man etwas weiter aufwärts eine Landungsstelle gebaut und diese durch einen gut unterhaltenen Fussweg mit dem Dorfe verbunden. Der augenscheinlich bereits seit lange benützte Weg war über eine grosse Strecke mit behauenen Baumstämmen ( pālāng ) belegt und führte über einige grösstenteils mit Gestrüpp bewachsene Hügel auf eine etwa 100 m hohe Wand des Djĕmhāngtals, von wo aus man einen prachtvollen Blick auf das Tal selbst mit dem darin gelegenen Dorf und das Land von Apu Kajan genoss. Für müde Reisende, die auf dem Heimwege ausruhen wollten, hatte man hier ein Aussichtshäuschen ( kubu ) gebaut, das aus einer erhöhten Diele mit einem Dach darüber bestand.

Kubu auf dem Wege nach Tanah Putih.

Kubu auf dem Wege nach Tanah Putih.

Auf Bui Djalongs Vorschlag machten wir hier Halt, um den Bewohnern seines Dorfes durch Abschiessen der Gewehre unsere Ankunft anzukünden. Während der Vorbereitungen hierzu bemerkte ich, dass der Charakter der vor mir liegenden Landschaft ein ganz anderer war als am Kapuas und Mahakam. Zwar erschien die Umgegend auch hier bis auf grossen Abstand hügelig und bergig, aber vom ursprünglichen Wald war nur noch hoch auf den Abhängen etwas zu sehen. An Stelle desselben erhob sich auch beinahe nirgends junger Wald ( tālo̱n ), sondern Gestrüpp und hohes Gras, mit vereinzelten Bäumen, eine Landschaft, der ich im ganzen übrigen Teil von Mittel-Borneo noch nicht begegnet war. Dies fand hauptsächlich darin seinen Grund, dass die Bevölkerung dieses Gebiets sehr dicht war und den Ackerbau intensiv betrieb.

So konnten wir denn in dem sehr flachen und völlig waldlosen Tal des Djĕmhāng unter uns Tanah Putih in seiner ganzen Ausdehnung übersehen. Sogleich fiel mir auf, dass hier nicht wie gewöhnlich nur 1–2 Reihen langer Dajakhäuser beieinander standen, sondern dass das Dorf aus etwa 10 regelmässigen Häuserreihen zusammengesetzt war. Hieraus liess sich bereits auf eine starke Bevölkerung schliessen, doch bestärkte Bui Djalong noch diese Vermutung, indem er uns auch auf die ausgedehnte Anlage der Reisfelder von benachbarten Niederlassungen in anderen Flusstälern aufmerksam machte. Wir erwarteten hier oben die Nachzügler, dann stieg unsere ganze Karawane, bestehend aus 60 Kĕnjaträgern, einigen Kajan und Pnihing, meinen Malaien und uns in einem imposanten Zug auf dem breiten Wege ins Tal hinab.

Kubu auf dem Wege nach Tanah Putih.

Kubu auf dem Wege nach Tanah Putih.