Musikinstrumente der Bahau.
Musikinstrumente der Bahau.
Von einer dritten Flötenform, der sogenannten Nasenflöte, gibt Fig. d eine Vorstellung. Auf der Abbildung ist sie kleiner als b und c, aber in Wirklichkeit kommt sie in sehr verschiedenen Grössen, auch in denen der beiden anderen vor. Für diese Flöte wird die gleiche Bambusart wie für die vorigen gewählt, nur gebraucht man ein Internodium mit einem Knoten. Das Mittelstück dieses Knotens wird glatt abgeschliffen, bis es noch heil bleibt, aber sehr dünn geworden ist. Die eine Hälfte wird dann noch weiter bearbeitet, bis eine Öffnung mit scharfem Seitenrand an der noch unverletzt gebliebenen Hälfte entsteht. Beim Blasen wird dieses halbgeschlossene Ende der Flöte derart an die Nasenöffnung gehalten, dass der Luftstrom auf den scharfen Rand trifft, wodurch Vibrationen entstehen, die die Luft in der Flöte in Schwingungen versetzen. Das Instrument wird horizontal an die Nase gehalten, so dass der scharfe Rand an der Unterseite zu liegen kommt. Die mit der Nase geblasenen Flöten geben der beträchtlichen Schwäche des Luftstromes wegen auch einen viel weniger starken Laut als die mit dem Munde geblasenen. Trotzdem sind sie bei den Bahau ebenso gebräuchlich wie die anderen Arten; am beliebtesten sind sie bei den Frauen, die, wenn sie allein oder mit Männern in grösserer Gesellschaft Vergnügungsfahrten unternehmen, die Stille der Tropennacht mit ihnen beleben.
Auch die Flötenmusik fällt je nach dem Talent des Spielers sehr verschieden aus; ältere Leute sah ich fast nie die Flöte blasen, auch wird sie nie zur Begleitung von Tänzen oder anderen Spielen verwendet.
Die Guitarre oder sapè dagegen dient gerade als Begleitinstrument bei den verschiedenen Tänzen der Frauen und Männer gelegentlich der Erntefeste, bei denen übrigens auch die Mundharmonika benützt wird. Die Guitarre, deren Vorderseite auf Fig. a (Tafel 19 ) zu sehen ist, besteht aus Holz und zwar aus einem Stück, sie ist nicht hoch (± 10 cm) und an der Unterseite völlig offen. Sie besitzt stets zwei Saiten die mit Holzschrauben gespannt und gestimmt werden und wird stets durch Schnellen mit den Fingern zum Klingen gebracht. Bei guten Instrumenten geben Linien am Halse den Platz für die Finger an. Im allgemeinen sind die sage nicht so reich verziert wie die abgebildete, auch variieren sie bedeutend in der Form. Einige, besonders die, welche den Priestern gehören und von diesen bei manchen Zeremonien gespielt werden, sind sehr alt. Die Guitarre wird von Männern und Frauen gespielt und zwar meist in Gesellschaft, besonders bei religiösen und profanen Tänzen; wie Flöte und tong, zur Unterhaltung der jungen Paare bei Ausflügen, sah ich die sapè nie gebrauchen.
Ein anderes sehr beliebtes Instrument ist die genannte tong (Taf. 19 f ), die auf demselben Prinzip beruht wie die europäische Maultrommel, insofern nämlich eine kleine Bambuszunge, durch Schnellen bewegt und an die Mundhöhle gehalten, zum Tönen gebracht wird. Indem man die Grösse der Mundhöhle verändert bringt man verschiedene, einer Melodie gleichende Töne hervor. Das Instrument besteht aus einer flachen Bambuslamelle, in welche eine langgestreckte Öffnung so geschnitten ist, dass eine lange, sehr schmale Zunge erhalten bleibt. Diese kann durch ihre Federkraft in der Öffnung vibrieren, wenn man auf das eine Stäbchenende klopft, während man das andere festhält. Auf Fig. f unterscheidet man ein langes, dunkles Bambusstäbchen, das rechts in eine schön geschnitzte Hirschhornspitze endet, an welcher eine Quaste von bunten Zeugstreifen hängt. In der Mitte des Stäbchens ist die aus der Öffnung getretene Zunge zu sehen, die links mit einem viereckigen schwarzen Stück Guttapercha beschwert ist; ein gleiches Stück wird oft auch auf die andere Seite der Zunge geklebt, um diese zu beschweren und die Anzahl der Schwingungen zu regeln. Ich fand solche Guttaperchastückchen auf allen tong.
Die Art, wie das Instrument gehandhabt wird, ist an der Frau links auf den Tafeln 20 und 21 zu sehen. Sie hält mit der rechten Hand das verzierte Ende des Bambusstäbchens fest, das zwischen ihre offenen Lippen geklemmt ist Und klopft mit der Linken auf das andere Ende, also auf die Seite, wo die Zunge noch an dem Bambus festsitzt. Die auf diesem Instrument hervorgebrachten Laute sind durchaus nicht melodisch, trotzdem haben junge Männer und Mädchen die summenden Tonvariationen in der Mundhöhle gern. Bei dem hudo̱ ădjāt der Frauen wird zur Angabe des Rhythmus häufig die tong anstatt der Guitarre verwendet.
Musizierende Kajanfrauen.
Musizierende Kajanfrauen.
Ausser auf Instrumenten äussern die Bahau ihre musikalischen Empfindungen auch durch Singen und Pfeifen. Ersteres hört man selten in der von uns verstandenen Form, besonders bei den Priestern ist es mehr ein Rezitieren, und andere Personen singen überhaupt wenig. Dass auch unsere europäische Art zu singen diesen Stämmen nicht unbekannt ist, beobachtete ich einst bei einer Fischpartie am Mendalam, wo eine Frau, auf dem Rücken liegend, eine Improvisation vortrug, die mich sehr angenehm und europäisch anmutete. Diese Frau genoss übrigens auch den Ruf grosser musikalischer Begabung.