Die Wahl und Bearbeitung der erforderlichen Pfähle, Planken und Dachbedeckung gehört zum beschwerlichsten Teil des Hausbaus; man benutzt zwar so viel als möglich altes Material, aber dies ist meistens nach mehrjährigem Gebrauch nicht mehr verwendbar. Dieser ständige Wohnungswechsel beeinträchtigt die Arbeit der Dorfbewohner in hohem Grade, 60-jährige Leute haben in ihrem Leben 10 bis 12 Häuser erbauen helfen. Wo die Verhältnisse es erlauben, bauen Bahau und Kĕnja ihre Häuser vollständig aus Holz, das ineinander gefügt und mit Rotang gebunden wird. Daher findet man auch am oberen Mahakam, wo der Wald gross und die Bevölkerung relativ gering ist, ausschliesslich Holzhäuser; nur Plattformen und provisorische Gebäude werden bisweilen aus Bambus hergestellt. Anders verhält es sich in Gebieten, wie die am oberen Kajan, in denen seit Jahren eine dichte Bevölkerung lebt; dort werden wegen Holzmangels für die Dachbedeckung und die Wände grosse Baumblätter benützt, die auf bestimmte Weise aneinander gereiht und in Form von Matten zusammengefügt werden. Palmblätter sah ich als Dachbedeckung nur für zeitweilige Hütten auf Reisen gebrauchen.

Wird ein Haus nicht von Feinden niedergebrannt, so benützt der Stamm, wie gesagt, die Eisenholzpfähle und Planken des alten Gebäudes für das neue, da diese ein Menschenalter überdauern können. Für das Gerüst verwenden sowohl Bahau als Kĕnja nie Bambus sondern stets Holz als Material.

Obgleich in der Konstruktion und in der Verteilung der Räume eines langen Hauses Unterschiede bestehen, ist die Einrichtung einer Familienwohnung doch überall ungefähr gleich. Da ich Gelegenheit hatte, die Kajan am Mahakam beim Bau ihrer Niederlassung zu beobachten, lasse ich hier eine Beschreibung desselben und der mit ihm verbundenen Gebräuche folgen. Besonders die mit dem Bau der Häuptlingswohnung zusammenhängenden Zeremonien werden dem Leser eine lebhafte Vor. Stellung von den zahlreichen Beschränkungen geben, durch welche die adat das ökonomische Leben der Bewohner Borneos beeinträchtigt.

Bevor die Kajan an den Hausbau gingen, suchten sie sich auf dem Grundstück, das für die neue Niederlassung gewählt worden war, einen Platz für ihre Privatwohnung aus. Jede Familie ist nämlich für den Bau ihres eigenen Hauses verantwortlich. Sie wählt sich stets Verwandte oder Freunde als Hausnachbarn aus, so dass z.B. in den verschiedenen langen Häusern des Dorfes ebensoviele durch Familien- oder Freundschaftsbande verbundene Gruppen wohnten.

Bei der Wahl des Platzes muss jedoch darauf geachtet werden, sass das Häuptlingshaus in der Mitte zu stehen kommt und zu beiden Seiten genügender Raum für die Wohnungen der Sklaven übrig bleibt, die rechts und links vom Häuptling bauen müssen. Die Form ihrer Wohnungen unterscheidet sich jedoch nicht von der der Freien.

Da das alte Kajanhaus verbrannt war, musste alles Material neu beschafft werden, und ich hatte bereits im Jahre 1896 Eisenholzpfähle im Blu-u liegen sehen, die später verwendet werden sollten.

Für die Pfähle und die Dachbedeckung der Häuptlingswohnung wird so viel als möglich Eisenholz benützt. Die langen, geraden Stämme der Tengkawangbäume dienen hauptsächlich als Dachsparren und Dielenbalken. Den Freien und Sklaven ist ausdrücklich verboten, Verzierungen aus Eisenholz und Dielenbalken aus Tenkawang, oder, wie die Kajan sagen, Kawang -Holz herzustellen; dagegen ist ihnen gestattet, Tengkawang -Holz zu Schindeln zu verwenden.

Beim Sammeln des Materials müssen allerhand Vorschriften befolgt werden. Zur Zeit des Vollmonds darf nie etwas Wichtiges unternommen, also auch kein Haus gebaut werden, da es sonst verbrennen würde. Das Suchen von passenden Bäumen und deren Bearbeitung zu Pfählen, Brettern oder Schindeln erfordert eine genaue Beachtung der Zeichen des tsit, tĕlandjang, kidjang, u.s.w. Ausserdem muss, je nach dem Zweck, den man mit dem Holz im Auge hat, besonderen Vorschriften nachgekommen werden. So dürfen z.B. aus einem Baum, auf dem viele Epiphyten, wie Orchideen, wachsen oder auf dem viele Ameisen umherlaufen, keine Schindeln verfertigt werden, wenn man nicht Epiphyten und Ameisen auch auf dem neuen Dache sehen will. Auch wenn ein kleiner Baum gegen einen grossen wächst oder wenn ein Baum rechtwinklig gegen den Ast eines benachbarten Baumes anstösst, ist er für Schindeln ungeeignet. Dielenbretter, die während des Transports, der fast immer zu Wasser geschieht, nass wurden, dürfen nicht mehr benützt werden.

In Bezug auf die Herstellung von Pfählen sind die Bestimmungen weniger zahlreich. Beim Fällen muss ein Baum vollständig seitwärts niederfallen; er darf dagegen nicht vom Stumpf abgleiten und dann stehen bleiben, wie es im dichten Walde leicht vorkommen kann. Ein solcher Baum darf weder für Häuser noch Böte noch andere Zwecke verwendet werden.

Jeder Bahau und Kĕnja hat das Recht, in den Wäldern innerhalb des Gebietes seines Stammes nach Belieben Bäume zu fällen; nur die grossen Tengkawangbäume, die in fruchtreichen Jahren einen ganzen Stamm mit Fett versorgen, werden meist geschont. Hat jemand einen Baum gefunden, der ihm zum Bau seines Hauses oder Boots geeignet scheint, so bezeichnet er denselben als sein Eigentum, indem er eine zwei Faden lange Stange in die Erde steckt und an den Stamm lehnt.