Im Unterschied von anderen Gelegenheiten brachte diesmal der Häuptling selbst und nicht der Priester den Geistern das Opfer. Man hatte für diese Zeremonie einen grossen, viereckigen Platz mit Brettern und Matten überdeckt und darunter sass der Häuptling inmitten seiner Ältesten in vollem Ornat d.h. mit einem besonders schönen Lendentuch und Kopftuch bekleidet. Sie alle legten die Hand auf das feiste Tier, worauf Männer, Frauen und Kinder bis auf die Säuglinge in einem langen Zuge das Opferschwein berührten. Darauf trug der Häuptling den Geistern das Opfer an, indem er ihnen berichtete, wer opferte und warum geopfert wurde. Hierbei bediente er sich der Kajansprache, vielleicht weil er das Busang, das gewöhnlich bei solch einer Gelegenheit gebraucht wird, nicht gut sprach. Der alte Bo Jok wiederholte die Worte, hatte aber vorsichtshalber seine Seele vorher gründlich gestärkt, indem er in ein altes Schwert gebissen und darauf ein Stück weissen Kattuns auf sein Haupt gelegt hatte. Er sprach unter dröhnenden Schlägen auf die Gonge, so dass ich ihn nicht verstand. Darauf schlachtete man das Schwein und die Hühner, zerlegte sie in gleiche Stücke und kochte sie in Pfannen (Taf. 36 ), so dass alle Anwesenden zu ihrem Klebreis, den der Häuptling ihnen ebenfalls angeboten hatte, auch Fleisch zu geniessen bekamen. Wir erhielten eines der Hühner und ein Stück Schweinefleisch, die wir uns trefflich munden liessen, da es in der letzten Zeit mit der Kost schlecht bestellt gewesen war. Zuletzt wurden noch einige Eier als Opfer beim Hauptpfahl aufgelegt.

Es folgten zwei Tage me̥lo̱, in denen niemand unter dem Hause hindurchgehen durfte. Als Verbotszeichen wurde ein Rotang um das Haus gespannt.

Am Abend des Opfertages fand noch eine andere Zeremonie statt. Es hatte sich nämlich die dje̥le̥wăn, die rotköpfige Schlange, beim Hause gezeigt, und nun glaubte der Häuptling, diesem Boten der grossen Geister unter einem Opfer noch einiges über den Hausbau mitteilen zu müssen. So opferte er denn an der Stelle, wo das Tier gesehen worden war, 2 × 8 Eier und einige kawit mit Schweinefleisch, die er in die gespaltene Spitze in die Erde gepflanzter Bambusstöcke einklemmte. An einem dieser Opferstöcke befestigte er einen Streifen von der Rückenhaut mit Baransitzendem Speck des geopferten Schweines, der von der Schnauze bis zum Sehwanze reichte, um die Geister von der Grösse und Fettheit des gebrachten Opfers zu überzeugen.

Kochen von Schweinefleisch.

Kochen von Schweinefleisch.

Viele Männer zeigten sich jetzt bereit, die Schindeln auf dem Dache anzubringen; augenscheinlich hatte die Festfreude sie in gute Stimmung versetzt. In einem Tage befestigten sie 11000 Schindeln, indem sie mit einem Hohlmeissel oder Drillbohrer ins obere Ende der Bretter zwei Löcher bohrten, Rotangschnüre hindurchzogen und an die Querlatten festbanden. Die Schindeln waren alle sehr dünn und gleichmässig, doch bildeten ihrer 50 eine schwere Last selbst für einen starken Mann. Dank den fest angebrachten Leitern kam aber während des ganzen Hausbaus kein einziges Unglück vor. Geschieht ein solches aber dennoch, so wird es als ein Beweis für den Unwillen der Geister aufgefasst und dementsprechend behandelt. Fällt z.B. jemand vom Gerüst herab, so wird sein Lendentuch an der betreffenden Stelle begraben. Auch muss er me̥lo̱, ein Schwein opfern und den dājung Kattun und ein Schwert geben. Dann muss er wieder bis zu 8 Tagen me̥lo̱, währenddessen an dem Hause nicht gearbeitet werden darf. Auch Kleidungsstücke und Werkzeuge werden an Ort und Stelle, wo sie niedergefallen sind, vergraben. Überdies werden bei einem Neubau noch andere Vorsichtsmassregeln getroffen, um sich die günstige Stimmung der Geister und somit ein gutes Gelingen zu sichern. In gleicher Weise wie z.B. ein Mann, aus Furcht takut dawi zu werden, keine getragenen Frauenkleider und keine Webeutensilien berühren will, darf auch kein Webeapparat unter einem unvollendeten Hause hindurchgetragen werden. Auch den von weit her kommenden Fremden ist der Durchgang unter einem unvollendeten Hause verboten, wahrscheinlich weil man auch in diesem Fall die unbekannten Geister, die sie mitbringen, fürchtet. Stirbt jemand im Stamme, so muss der Hausbau, solange die Leiche nicht begraben ist, unterbrochen werden.

Trotz aller Hindernisse war Kwing Irangs Haus im März 1899 unter Dach und die amin mit Hilfe alten Materials soweit fertiggestellt, dass sie bezogen werden konnte. Der Galerie fehlte hauptsächlich eine Diele, aber diese war nicht unumgänglich nötig; auch musste man voraussichtlich wegen der Ernte noch Monate lang mit der Herstellung der Bretter warten.

Als der Tag, an dem Kwing Irang sein neues Haus beziehen sollte, nach dem Vogelflug bestimmt worden war, wurden alle Personen, die die amin bewohnen sollten, also die Familienglieder und die Haussklaven, ausserdem auch noch ein Teil der Sklaven, der eigene Häuser bauen durfte, zusammengerufen.

Gegen Mittag wurde zuerst gegen die Haustreppe zu eine Art Gang hergestellt, indem man eine Reihe hölzerner Galgen errichtete und mit weissem Kattun überspannte. Mit einem gleichen weissen Baldachin überdeckte man auch die Treppe von unten bis zur ăwă. Alle Hausgenossen in Begleitung eines Priesters mit Frau und Kindern und des alten Bo Jok bildeten einen Zug, an dessen Spitze sich Kwing Irang stellte. Der Häuptling trug seine gewöhnliche Kleidung. Ihm folgten ein Mantri, seine Frauen Bo Hiāng und Anja, dann der alte Bo Jok und zuletzt die Sklavinnen mit ihren Kindern. Erst schritt der Zug durch den Gang zur Treppe, bog dann links ab, ging einmal unten um das Haus herum und lehrte dann zur Treppe zurück. Hier hatte man auf einem flachen Stein ein altes Schwert niedergelegt, auf welches der Häuptling und alle, die ihm folgten, erst den Fuss setzten, bevor sie die Treppe hinauf ins Haus stiegen. Dieser feierliche Einzug diente zur Vorbereitung der Seele, damit diese beim plötzlichen Anblick dieses grossen, imposanten Gebäudes nicht entfloh. Der dājung und seine Familie betraten nicht das Haus, sondern begaben sich nach rechts, ihrer eigenen Wohnung zu.

In der amin angelangt begannen die Hausbewohner sogleich, nachdem sie die Tragkörbe samt Inhalt vom Rüchen genommen hatten, Herde zu errichten. Der kleine Herd, auf dem hauptsächlich für den Häuptling gekocht wird, kam zuerst an die Reihe. Zwei junge Männer holten von draussen, zur Seite des Hauses Erde und bedeckten mit ihr einige Bretter aus hartem Holz. Dies ist die gebräuchliche Weise, um Herde herzustellen. Dann berichtete Bo Jok den Geistern, wem dieser Herd gehörte, auch bat er um ein glückliches Leben und Reichtum für die künftigen Bewohner. Als symbolisches Zeichen hierfür steckte er 2 × 8 Haken aus Fruchtbaumholz und zwei Büschel von daun sawang und noch einer anderen Blätterart in die Erde. In die Mitte legte man einen platten, nierenförmigen Stein von 10 cm Durchmesser, holte noch mehr Erde und stampfte diese über dem Stein fest. Damit war der Herd vollendet. Die Erde darf nie gewechselt werden; nur darf nötigenfalls bei religiösen Festen neue hinzugefügt werden.