Stimmung: Gewöhnlich trübe, nachdenklich; fragt man ihn nach seinen Verbrechen, so wird er zerknirscht, stützt den Kopf und weint. Er denkt liebevoll seiner Familie und sagt, daß um seinetwillen Weib und Kinder werden betteln gehen müssen.

Willen und Instinkt: Er ist gelehrig, höflich, fleißig. Er verkehrt mit den ruhigeren seiner Gefährten und verträgt sich mit den andern. Wenn ihn die gewöhnlichen Anfälle überkommen, ist er heftig, sonst ruhig. Der Fortpflanzungstrieb ist normal; er ist ein starker Onanist.

Bewußtsein: Er weiß, daß er im Irrenhaus ist, und auch, daß er beobachtet wird, um zu ermitteln, ob er irrsinnig ist. Er empfiehlt sich der Gnade seiner Vorgesetzten und versucht sie auf alle Weise zu überzeugen, daß er sein Verbrechen in einem Augenblick des Wahnsinns vollbrachte.

Sprache und Schrift: Er spricht rasch, gut und ziemlich formvoll, ebenso wie er leicht und eindringlich schreibt, abgesehen von den Fehlern, die von seinem geringen Bildungsgrad herrühren. Er macht Gedichte von derbem und oft hochfliegendem Inhalt in sorgfältiger Form. Die Stimme hat tiefe und kräftige Färbung.

Gesichtsausdruck: Rundes volles Gesicht wie ein Fettkrämer. Die Augen hält er immer niedergeschlagen; wenn er erregt wird, bewegt er alle Gesichtsmuskeln und begleitet seine Worte durch Gesten.

Schlaf und Traum: Er schläft gut und spricht nie im Traum.


M… wurde von Venturi einer mehrmonatigen Beobachtung unterworfen; ich reproduziere seine Beobachtungen während dieses Zeitraums.

Februar 1890. Die ersten vier Tage nach seiner Einlieferung war er erregt. Er sprach mit sich selbst, hauptsächlich nachts, und fluchte auf ein Frauenzimmer, das er die Ursache seines Unglücks nannte. Gefragt, weshalb er im Irrenhause sei, antwortete er: wegen einer verfluchten Sau, die mich verfolgt. Daß ich verrückt bin, sagten in Parghelia alle, aber diese Hure, meine Schwägerin, hat die Schuld. Er behauptet, sich an sein Verbrechen nicht zu erinnern. Wenn er spricht, so schüttelt er den Kopf und alle Gesichtsmuskeln geraten in Bewegung. Nach einem Tage wurde er ruhig, bat, daß man die Zwangsjacke ihm abnehmen möchte und versprach, sich gut zu führen. Er möchte in der Schneiderstube beschäftigt werden. Wurde bewilligt. Er scheint das Handwerk im Gefängnis etwas gelernt zu haben.

März 1890. Der Angeklagte giebt keine Ursache zu Tadeln, er ist höflich und fleißig. Am 11. März erwachte er schlechter Laune, sprach mit sich selbst, behauptete Stimmen zu hören und jene Frau zu sehen, die er als sein Unglück bezeichnet. Er fluchte gegen diese Frau, knirschte mit den Zähnen und bedrohte sie. Er hatte es auch mit einem Hauptmann zu thun, den er nicht nennt, und der ihm zu drei Jahren Gefängnis verholfen hätte. Nach fünf Stunden der Erregung mit anscheinenden Hallucinationen beruhigte er sich. Später erklärte er auf Befragen, daß er starkes Kopfweh habe, und behauptet, sich an nichts zu erinnern. Nachher bat er um Entschuldigung, wenn er vielleicht jemand beleidigt haben sollte. Am 12. ging er wieder in die Werkstatt.