Wenn alle Bienen im Stock jedesmal beim Herausnehmen der Honigwaben getötet werden müßten, so würden wir uns kaum über unsere Bienen freuen können. Aber jetzt kann jedermann Bienenstöcke mit beweglichen Waben haben, die man leicht herausnehmen kann, ohne die kleinen Freunde, die sie für uns füllen, zu vernichten.

Die Honigbiene ist ein wunderbares Insekt. Sie hat drei Paar Beine und zwei Paar Flügel, gerade wie eine Wespe. Aber das hintere Beinpaar ist länger als die anderen, und die Biene hat eine vertiefte Stelle auf der Außenseite der Hinterschienen, das sogenannte Körbchen. Da hinein packt sie Blütenstaub und trägt ihn dann nach Hause, um Bienenbrot für ihre Larven daraus zu bereiten. Man kann oft eine Biene in den Stock kriechen sehen, deren Hinterbeine schwer mit klebrigem Blütenstaube beladen sind. Es scheint ein Rätsel, wie sie denselben in das Körbchen bekommt, aber wenn man das Bein genauer ansieht, wird man finden, daß es mit Haaren bedeckt ist, die eine kleine Bürste bilden. Wenn sie aus einer Blüte kommt, ist ihr behaarter Körper mit Blütenstaub bedeckt; diesen bürstet sie mit einem Beine ab, macht einen kleinen Klumpen daraus und packt ihn in das Körbchen des anderen Beines.

Hinterbeine der Biene. 1. Außenseite, 2. Innenseite mit Bürste.

Der Mund der Biene ist zu einem sehr nützlichen Werkzeuge ausgebildet, um Honig zu erlangen. Wenn sie nicht saugt, so ist der Rüssel unter die starken Kiefer zurückgezogen. Aber sobald sie nach Honig sucht, wird dieser Rüssel, dessen wichtigster Teil eine Verlängerung der Unterlippe mit einer behaarten Zunge im Inneren bildet, in die Blüte gestoßen und saugt den Blumennektar empor, den sie hinunterschluckt. Er gelangt in einen erweiterten Teil der Speiseröhre, den Honigmagen, der vor dem eigentlichen Magen der Biene liegt.

Dann fliegt sie nach dem Bienenstock zurück. Hier nehmen andere Bienen beim Hineinkriechen den Blütenstaub aus den Körbchen; sie selbst kriecht weiter zu den Zellen und füllt sie mit dem mitgebrachten Honig. Ein Teil desselben wird gebraucht, um die Bienenlarven zu füttern, und das übrige, um die Honigwaben für den Winter zu füllen.

Junge Bienen, die noch nicht ausfliegen, erzeugen das Wachs zum Aufbau der Zellen. An der Bauchseite von vier Hinterleibsringen tritt das Wachs in Form kleiner Schüppchen hervor. Über diesen Stellen liegen im Innern des Hinterleibes die Wachsdrüsen, die mit dem Alter der Tiere immer niedriger werden und dann, wenn die Bienen erst ausfliegen und Honig einsammeln, kein Wachs mehr ausscheiden. Die alten und die jungen Bienen teilen sich also in die Arbeit: jene tragen Honig ein, und diese bereiten Wachs. Mit den Füßen werden die Wachsschüppchen abgenommen und in warmem Zustande, wo das Wachs recht leicht zu formen ist, zum Bau der Zellen verwandt.

Unterseite der Biene mit den 4 Paar Wachstaschen.

In der Zeit, wo die Bienen Honig und Blütenstaub sammeln, sind sie dem Gärtner sehr nützlich. Ihr erinnert euch, daß die Kürbisse nicht wachsen können, wenn die Bienen nicht Blütenstaub von einer Blüte zur anderen tragen. Unsere Pflanzen haben zahlreichere Samen und unsere Obstbäume tragen mehr Früchte, wenn die Bienen hin- und herfliegen und Blütenstaub von einer Blume zur anderen tragen.