Die Stubenfliege und der Brummer sind an der richtigen Stelle sehr nützlich, denn sie verzehren faulende Substanzen und tote Tiere. Aber sie tun großen Schaden, wenn wir zulassen, daß sie sich an der falschen Stelle stark vermehren.

Wenn ihr sehr viele Fliegen im Hause habt, so könnt ihr sicher sein, daß sich irgendwo Schmutz befindet; denn die Stubenfliege legt ihre Eier in Misthaufen und faulige Stoffe oder in irgend welchen Schmutz, den sie finden kann, z. B. hinter eine Tür, einen Fensterladen oder in eine ungefegte Ecke.

Sie legt ungefähr 150 Eier zu gleicher Zeit, und in ein oder zwei Tagen kriechen die kleinen, beinlosen Larven aus und nähren sich von den sie umgebenden Stoffen. In vier oder fünf Tagen hören sie auf zu fressen und ruhen in ihrer Larvenhaut, die hart und braun wird. Im Sommer kommen sie dann nach ungefähr einer Woche als erwachsene Fliegen aus. Aber im Winter liegt die harte Puppe oft Monate lang, und Leute, die im Herbst ihr Haus nicht gründlich reinigen, werden wahrscheinlich im nächsten Jahre eine Fliegenplage haben.

Die Schmeißfliege, auch Brummer (vergl. bunte [Tafel VII.] 1) genannt, legt ihre Eier (a) auf Fleisch jeder Art oder auf Körper toter Tiere. Wenn ihre Larven ausgekrochen sind, nützen sie uns dadurch, daß sie uns von schlecht riechenden Stoffen befreien, denn sie geben eine Art Flüssigkeit von sich, die das Verderben des Fleisches beschleunigt, so daß sie es fressen können.

Wohl jedermann kennt die Maden der Schmeißfliege (b), die zum Angeln gebraucht werden. Wenn diese mit Fressen fertig sind, ziehen sie sich zu einer eiförmigen Puppe zusammen. Diese gibt eine Flüssigkeit von sich, die ihre Haut zu einem glänzend rötlichbraunen Gehäuse verhärtet. Im Inneren desselben bildet sich die Schmeißfliege, die nach Erlangung der Reife ihren Kopf so stark hervorschiebt, daß der obere Teil der Puppenhülle wie ein Deckel zurückklappt.

Kopf der Schmeißfliege mit den großen, zusammengesetzten Augen.

Fängt man einen Brummer und setzt ihn mit einen Körnchen Zucker unter eine Glasglocke, so kann man beobachten, wie er seinen Rüssel ausstreckt und frißt. Man wird sehen, daß er den Zucker dreht und wendet, als ob er damit spiele. Aber er benetzt ihn dabei fortwährend mit einer Flüssigkeit, die er durch den Rüssel ausfließen läßt, um das harte Zuckerstückchen zu einer Art Syrup umzuwandeln, den er aufsaugen kann. Wenn man die Brust der Schmeißfliege sanft zwischen Finger und Daumen drückt, so wird sie ihren Rüssel ausstrecken, und man kann die dicken Lippen am Ende desselben mit der dazwischen liegenden Saugvorrichtung (A) sehen. Aber man braucht ein Vergrößerungsglas oder Mikroskop, um einen kleinen Stachel (l) zu erkennen, der im Innern des Rüssels sitzt, und den sie gebraucht, um die Schale von Früchten, deren Saft sie aufsaugen will, zu durchbohren.

Es gibt aber zwei Arten von Fliegen, die viel schädlicher sind als die Stuben- und die Schmeißfliege. Dies sind die Bremsen und die Dasselfliegen.

Ihr kennt eine der kleinen Bremsfliegen ganz gut, denn sie läßt sich auf unsere Hände oder unseren Hals nieder, wenn wir im Freien sitzen. Ihr Dasein zeigt sie uns dadurch an, daß sie uns einen scharfen Stich versetzt, um uns das Blut auszusaugen. Wir nennen sie Pferdebremse, weil sie die Pferde im Sommer so sehr quält. Viele andere derselben Gattung sind uns nicht so gut bekannt. Die größte deutsche Bremsfliege (vergl. bunte [Tafel VII.] 4) ist ungefähr 2–3 cm lang.