Die kleine grüne Heuschrecke (vergl. bunte [Tafel VIII.] 2), deren kurze Fühler nach vorn stehen, bringt ihr zirpendes Geräusch in anderer Weise hervor. Sie hat eine Feile an der Innenseite des Hinterbeines, deren Zähnchen über eine vorspringende Ader der Flügeldecken geführt werden und diese dadurch in tönende Schwingungen versetzen. Dieser kleine Grashüpfer ist tatsächlich eine kleine Heuschrecke wie die, die in Schwärmen im südöstlichen Europa dahinfliegen und alles Grüne, das ihnen in den Weg kommt, auffressen. Glücklicherweise ist aber unser kleiner Freund, obwohl auch er gierig frißt, nicht so verderblich wie sie. Diese kleinen Heuschrecken haben keine Legeröhre; sie lassen ihre Eier in die lose Erde fallen und bedecken sie damit.

Heimchen sind den Grashüpfern sehr ähnlich und erzeugen das zirpende Geräusch, indem sie ihre Flügel zusammenreiben. Die Weibchen haben lange Legeröhren, wie man sehen kann, wenn man ein solches in der Küche fängt. Es legt seine Eier hinter den Ofen oder in die Nähe des Herdes, wo sie das ganze Jahr hindurch in der Wärme ausgebrütet werden.

Grashüpfer und Heimchen zirpen nicht, um uns zu erfreuen; sie rufen einander. Sie müssen also hören können. Wo erwartet ihr nun wohl, ihre Gehörorgane zu finden? Ihr werdet es sicher nicht raten.

Bein vom großen grünen Heupferde. e. Gehörorgan.

Sieh unter den Flügel der kleinen grünen Heuschrecke auf den ersten Ring ihres Hinterleibes, der hinter ihren Hinterbeinen liegt! Da, ein wenig über den Atemlöchern, wirst du eine sehr kleine Grube finden. Diese ist mit einer dünnen Haut bedeckt und ist das Gehörorgan (Ohr) der Heuschrecke. Das große grüne Heupferd hat sein Ohr an einer noch sonderbareren Stelle, nämlich auf seinem Vorderbeine unter dem Knie (e, [S. 62]).

Ich erwarte, daß ihr die Feldgrille (vergl. bunte [Tafel VIII.] 3) kennt, denn obwohl sie sehr furchtsam und am Tage äußerst vorsichtig und scheu ist, kann man sie doch leicht fangen, wenn man an ihrem Zirpen herausgefunden hat, wo sie sich aufhält. Man stößt einen Grashalm in das Loch, den sie sicher ergreifen wird, so daß man sie daran herausziehen kann. Viele Landkinder fangen sie auf diese Weise. Eine Feldgrille ist bedeutend größer als ein Hausheimchen; ihr Körper ist dunkler, ihr Zirpen schriller. Sie ist im Garten sehr nützlich, denn sie nährt sich ebenso von Pflanzen wie von Insekten und sitzt nachts vor ihrem Loche, um diese zu fangen. Auch an warmen, sonnigen Tagen kannst du sie vor ihrer Höhle sehen, sonst aber sitzt sie immer in der Erde, wo die Larven den ganzen Winter lang bleiben, bis sie Flügel bekommen haben.

Ich möchte wissen, ob ihr jemals eine Maulwurfsgrille gefunden habt. Es gibt ihrer eine Menge im sandigen Boden, besonders auf feuchten Feldern, an den Ufern von Kanälen und Flüssen. Aber sie kommen nicht überall vor, und sie sind so scheu, daß sie nur in der Nacht aus ihrem Bau herauskommen. Sie verursachen ein seltsames Geräusch, und daran könnt ihr erkennen, daß welche in der Nähe sind. Dann müßt ihr am Flußufer oder in einem sandigen und zugleich feuchten Teile des Gartens suchen, und wenn ihr dann kleine Erhöhungen aufgeworfen seht, so ist es höchst wahrscheinlich, daß die Maulwurfsgrille darunter arbeitet.

Maulwurfsgrille, fliegend und ruhend.