Aber vor April können wir keinen ordentlichen Strauß pflücken. In dieser Zeit sind die Pflanzen damit beschäftigt, Blätter zu treiben.
Die ersten bunten Blumen, die wir finden, sind die gelben Narzissen in den Gärten und die Anemonen in den Wäldern. Man nennt die Narzissen auch „Fastenlilien“ und schmückt Ostern damit die Kirchen. Sie haben sehr lange schmale Blätter, die gerade aus dem Boden herauswachsen. Jede Blüte hängt an einem hohen Stengel. Sie besteht aus einer Krone von blaßgelben Blütenblättern, die um eine tiefgelbe Röhre herumstehen. Wenn man eine Narzisse aus der Erde zieht, findet man, daß sie ein Zwiebelgewächs ist. Paul sagt, daß dies der Grund ist, weshalb sie so früh blüht. Sie speichert im Herbst Nahrung in der Zwiebel auf. Dann braucht sie diese Nahrung im Januar, um Blätter und Blüten zu bilden.
Narzissen und Anemonen.
Die Waldanemone ist Gretes Lieblingsblume. Sie heißt auch „Windröschen“, weil sie so zierlich im Winde nickt. Ihre zarte weiße, außen oft rötliche Blüte steht hoch auf einem langen Stengel, welcher drei gefiederte grüne Blätter in halber Höhe trägt. Wenn die Sonne scheint, ist die kleine rotweiße Blüte offen; aber wenn Wolken aufziehen und der Regen fällt, schließt sie sich zu einer festen Knospe zusammen, bis die Sonne wiederkommt. Grete biß einmal eins von den Blättern der Anemone ab. Es brannte auf der Zunge und schmeckte sehr bitter. Da sagte uns Paul, daß die Pflanze giftig ist. Dies ist die Ursache, weshalb es so viele Anemonen im Walde gibt; denn Tiere fressen die Blätter nicht, sondern lassen sie wachsen.
Die Anemone hat keine Zwiebel. Sie hat einen dicken braunen Stengel unter der Erde, in dem sie ihre Nahrung aufspeichert.
Ehe die Narzissen und Anemonen verblüht sind, bedecken schon Schlüsselblumen und Veilchen die Abhänge. Es ist hübsch, die Schlüsselblume an einem feuchten Morgen zu beobachten. Die Blätter sind nicht glatt. Sie haben längs ihrer Oberfläche Hügel und Täler. Das Wasser läuft so zierlich in den Tälern des Blattes hinab. Diese führen es zu den Wurzeln hinunter, so daß die Pflanze trinken kann.
Wie geschäftig auch die Bienen und Insekten sind. Sie lassen sich zuerst auf der einen Schlüsselblume, dann auf einer anderen nieder. Wir wissen, was sie dort finden. Wenn man die gelbe Krone der Blume abreißt und an dem Ende der Röhre saugt, so wird man etwas Süßes schmecken. Das ist der Honig, den die Bienen suchen. Und außer dem Honig tragen sie gelben Staub von Blüte zu Blüte. Paul sagt, daß dies gut für die Blume ist, was wir nächstens lernen werden.
Der Honig in den Veilchen ist nicht so leicht zu finden. Aber wir haben ihn doch entdeckt. Wenn man ein Veilchen von vorn ansieht, so zeigt es fünf dunkelblaue Blätter mit einem kleinen gelben Staubbeutel in der Mitte. Aber wenn man die Rückseite des Blättchens ansieht, so wird man einen kleinen, länglichen Sack finden, der wie der Finger eines Handschuhs aussieht. Diesen haben wir oft abgerissen und ausgesogen. Er ist voll von Honig. Wenn die Biene auf der Blüte sitzt und ihren Kopf in den gelben Staubbeutel in der Mitte hineinsteckt, schlürft sie den Honig mit ihrer Zunge aus dem Sacke hinter der Blüte.
In den Schlüsselblumen, Veilchen und Glockenblumen finden die Bienen viel Honig, den sie in ihre Stöcke tragen.