II. Besonderer Teil: c. 6—26.
A. Die Tragödie: [c. 6—22].
1. Die Definition der Tragödie: [c. 6, 1—2].
2. Die sechs qualitativen Teile: [c. 6, 3—5].
3. Deren Rangordnung: [c. 6, 6—15].
a) Die Fabel: [c. 6, 6—10].
b) Die Charaktere: [c. 6, 11].
c) Die Gedanken: [c. 6, 12—13].
d) Der sprachliche Ausdruck: [c. 6, 14].
e) Die musikalische Komposition: [c. 6, 15].
f) Die szenische Ausstattung: [c. 6, 15].
4. Die Fabel: [c. 7—14. 16—18].
a) Sie muß ein richtiges Ganze von einem bestimmten Umfang sein:
[c. 7, 1—3].
b) Einheit der Handlung, nicht Einheit der Person erforderlich:
[c. 8, 1—4].
c) Der Unterschied des Dichters und des Geschichtsschreibers:
[c. 9, 1—7].
d) Episodische Fabeln ein Verstoß gegen die Einheit: [c. 9, 8].
e) Das Wunderbare und der Zufall als dramatische Motive: [c. 9, 9].
f) Einfache und verflochtene Fabeln: [c. 10, 1—2].
g) Die drei Teile der Fabel: [c. 11].
(1) Peripetie: [c. 11, 1].
(2) Erkennung: [c. 11, 2—4].
(3) Die leidvolle Tat (Pathos): [c. 11, 5].
h) Exkurs über die quantitativen Teile der Tragödie: [c. 12, 1—2].
(1) Prolog.
(2) Epeisodion.
(3) Chorlied (Parodos, Stasimon, Kommos).
(4) Exodos.
i) Wie die Fabel beschaffen sein muß, um Mitleid und Furcht zu
erregen: [c. 13—14].
(1) Der Held muß eine Mittelstellung einnehmen zwischen
dem Makellosen und dem Bösewicht: [c. 13, 1—3].
(2) Der einfache Ausgang dem doppelten vorzuziehen: [c. 13, 4—6].
(3) Die vier Arten der Handlung, die Mitleid und Furcht erregen
und deren Rangordnung: [c. 14,1—9].
(a) A kennt B und tötet ihn.
(b) A kennt B nicht und tötet ihn, mit oder ohne
Erkennung nach der Tat.
(c) A kennt B und steht von dem Versuch ab, ihn
zu töten.
(d) A kennt B nicht, durch Erkennung an dem
Versuch ihn zu töten verhindert.
5. Die vier Charaktereigenschaften und ihre Gegensätze: [c. 15, 1—10].
a) Sittlich-gut: [c. 15, 1].
b) Angemessen: [c. 15, 2].
c) Historisch ähnlich: [c. 15, 3].
d) Konsequent: [c. 15, 4].
e) Gegensätze: [15, 5—10].
6. Die verschiedenen Erkennungsarten und ihr Kunstwert:
[c. 16, 1—5].
a) Zeichen: [c. 16, 1].
(1) Angeborene.
(2) Erworbene.
(a) Körperliche.
(b) Andere äußerliche.
b) Vom Dichter erfundene Erkennungsarten: [c. 16, 2].
c) Vermittelst der Erinnerung: [c. 16, 3].
d) Vermittelst einer Schlußfolgerung: [c. 16, 4].
7. Vorschriften für die Komposition der Tragödie: [c. 17—18].
a) Der Dichter muß sich die Situation leibhaft vergegenwärtigen
[c. 17, 1].
b) Er muß die Gefühlsstimmungen seiner Personen an sich selbst
darstellend erproben: [c. 17, 2].
c) Er muß erst einen allgemeinen Umriß der Fabel entwerfen
und dann Namen und Episoden einfügen: [c. 17, 3].
d) Die Episoden müssen begrenzt sein: [c. 17, 4].
e) Schürzung und Lösung des dramatischen Knotens: [c. 18, 1—3]
f) Die Tragödie darf nicht episch angelegt sein: [c. 18, 4—5].
g) Der Chor muß die Rolle eines Schauspielers annehmen
und eng mit der Handlung verknüpft sein. Daher chorische
Intermezzi (Embolima) zu verwerfen: [c. 18, 6].
8. Die Gedankenbildung in das Gebiet der Rhetorik verwiesen: [c. 19, 1].
9. Der sprachliche Ausdruck: [c. 19, 2—c. 22].
a) Die Modalitäten der Rede: [c. 19, 2].
Befehl (Imperativ)—Wunsch (Optativ)—Erzählung (Indikativ)—Drohung,
Frage und Antwort.
b) Die Bestandteile der Rede: [c. 20, 1—8].
(1) Buchstabe: [c. 20, 1].
(2) Silbe: [c. 20, 2].
(3) Bindewort: [c. 20, 3].
(4) Artikel: [c. 20, 4].
(5) Substantiv: [c. 20, 5].
(6) Verbum: [c. 20, 6].
(7) Flexion: [c. 20, 7.]
(8) Satz: [c. 20, 8].
c) Ausdrucksarten: [c. 21].
(1) Komposita: [c. 21, 1].
(2) Wortklassen: [c. 21, 2.]
(a) Allgemein gebräuchliche Ausdrücke: [c 21, 3].
(b) Glosse: [c 21, 3].
(c) Metapher: [c. 21, 4].
aa. Von der Gattung auf die Art.
bb. Von der Art auf die Gattung,
cc. Von der Art auf die Art.
dd. Auf Grund einer Proportion.
(d) Schmückendes Beiwort: [c. 21, 5].
(e) Neugebildetes Wort: [c. 21, 6].
(f) Verlängertes und verkürztes Wort: [c. 21, 7].
(g) Umgewandeltes Wort: [c. 21, 8].
(3) Das grammatische Geschlecht: [c. 21, 9].
d) Die Güte des sprachlichen Ausdrucks: [c. 22, 1—8].
B. Das Epos: [c. 23—c. 24].
1. Einheit und Umfang des Epos. Vorzüge Homers: [c. 23-24, 4].
2. Einheitliches Versmaß: [c. 24, 5].
3. Weitere homerische Vorzüge: [c. 24, 6].
4. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Epos und Tragödie
in der Behandlung gleichzeitiger Ereignisse: [c. 24, 7].
5. Homer als Lehrer der zweckmäßigen Lüge (dichterische
Illusion): [c 24, 8].
6. Das Vernunftwidrige im Epos: [c. 24, 9].
7. Der sprachliche Ausdruck im Epos: [c. 24, 10].
C.[2] Die fünf Probleme (kritischen Einwendungen) in einem
Dichtwerk und deren zwölf Lösungen (Widerlegungen,
Rechtfertigungen): [c. 25, 1—22].
(I.) Das Unmögliche:
1. Es entspricht dem Zwecke der Kunst.
2. Es betrifft Unwesentliches, Zufälliges.
(II.) Das Vernunftwidrige oder Unwahrscheinliche.
3. Es hätte so sein sollen (Idealisierung).
4. Es entspricht dem allgemeinen Glauben.
5. Es ist historisch beglaubigt.
(III.) Das moralisch Schädliche.
6. Der an das Sittliche zu legende Maßstab ist ein
relativer.
(IV.) Das Widerspruchsvolle.
7. Auf Grund des dialektischen Verfahrens zu lösen.
(V.) Verstoß gegen die Kunstrichtigkeit.
8. Auf Grund der Annahme einer Glosse oder Metapher.
9. Der Prosodie (Akzent und Spiritus).
10. Der Interpunktion.
11. Der Amphibolie (Doppelsinn).
12. Des Sprachgebrauchs.
D. Warum die Tragödie vor dem Epos den Vorzug verdient: [c. 26, 1—9]
[Namenverzeichnis]
[Sachverzeignis]
EINLEITUNG
1. Die Bedeutung der Poetik.
Es gibt kein Werk gleich geringen Umfangs, das sich auch nur entfernt mit dem Einfluß messen kann, den die aristotelische Poetik Jahrhunderte lang ausgeübt hat. Freilich werden wir heute nicht mehr, wie einst Lessing, deren Lehren für ebenso unfehlbar halten wie die Elemente des Euklid. Im Gegenteil, man wird ohne weiteres zugeben müssen, daß für die Dramatiker der Gegenwart—das Epos kommt nicht in Betracht da es ganz in dem Roman aufgegangen ist—Aristoteles als literarischer Gesetzgeber ein völlig überwundener Standpunkt ist.
Andrerseits ist es aber nicht minder wahr, daß auch heute noch niemand der Kenntnis der Poetik schadlos entraten kann, der auch nur oberflächlich sich mit den Literaturen, namentlich Italiens, Frankreichs und Englands vom 16. bis etwa zur Mitte des 18. Jahrh., beschäftigen will. Und ebensowenig darf der Ästhetiker, der literarische Kritiker oder Literarhistoriker an diesem Büchlein achtlos vorübergehen, sollen seine rein theoretischen Darlegungen über viele in das Gebiet der Dichtkunst einschlägige Probleme nicht von vornherein einer wichtigen Grundlage entbehren. Was vollends dem klassischen Philologen die Poetik des Aristoteles ist und stets sein wird, bedarf keines weiteren Wortes.
2. Die Poetik im Altertum.