Walter (noch hinter der Scene, in der Kammer): Mamchen?!
Frau Selicke (hat in Gedanken ihren Strickstrumpf fallen lassen, zieht ihr Taschentuch halb aus der Tasche, bückt sich drüber und schneuzt sich).
Walter (steckt den Kopf durch die Kammerthür. Pausbacken, Pudelmütze, rothe, gestrickte Fausthandschuhe): Mamchen? darf ich mir noch schnell ’ne Stulle schneiden?
Frau Selicke (ist zusammengefahren): Ach, geh du ungezogner Junge! Erschrick einen doch nich immer so! (ist aufgestanden und an den Tisch getreten). Kannst Du denn auch gar nich’n bischen Rücksicht nehmen?! Siehst Du denn nich, dass das Kind krank ist?
Walter (ist unterdessen auf’s Sopha geklettert und trinkt nun nacheinander die verschiedenen Kaffeereste aus. Den Zucker holt er sich mit dem Löffel extra raus): Aber ich hab’ doch noch solchen Hunger, Mamchen?
Albert (ebenfalls noch hinter der Scene, in der Kammer, deren Thür jetzt weit aufsteht. Man sieht ihn vor einer kleinen Spiegelkommode, auf der ein Licht brennt. Knüpft sich grade seine Kravatte um. Hemdärmel.): Ach was, Mutter! Jieb ihm lieber ’n Katzenkopp un denn is jut!
Frau Selicke (die jetzt Walter die Stulle schneidet): Na, Du, Grosser, sei doch man schon ganz still! Du verdienst ja noch alle Tage welche! Ich denk’, Ihr seid überhaupt schon lange weg?
Albert (ärgerlich): Ja doch! Gleich! Aber ich wer’ mir doch wohl noch erst den Rock abbürschten können?
Frau Selicke: Na ja, gewiss doch! Steh Du man immer recht vor’m Spiegel und vertrödle recht viel Zeit! Da werd’t Ihr ja Euern lieben Vater sicher noch finden! Der wird heute grade noch auf’m Comptoir sitzen!
Albert: Ach Jott! Nu thu doch man nicht wieder so! Vor Sechs kann er ja doch heute so wie so nich aus ’m Geschäft!