Selicke: Wie — hb! — Wie spät is denn — eigentlich?

Toni: Zwei.

Selicke (thut sehr erstaunt): Was — Kuckuck! Zwei?! — (Hebt, indem er weiter auspackt, abermals an: „Nicht Ross’, nicht Reisige“. Er nimmt aus einer Düte zwei Pfannkuchen, geht damit auf die Kammer zu und ruft mit gedämpfter Stimme): He! Walter! — Walter! — Willste noch ’n Pfannkuchen? (Bekommt zuerst keine Antwort.) Na?!

Walter (in der Kammer, halb ängstlich): Ja!

Selicke: Da! Fang! (Wirft den Pfannkuchen nach Walters Bett hin und lacht.) Na, Grosser! Du auch? (Albert antwortet nicht.) Eh! Frisst ’n je doch! Da! (Wirft auch ihm einen Pfannkuchen zu und geht dann vergnügt, leise vor sich hinpfeifend, zum Tisch zurück.) Ja, ja! Die Jungens! („Nicht Ross’, nicht Reisige ...“ — Toni, die solange am Tisch gestanden, hat abwechselnd ihn beobachtet und zur Flurthür hingesehn. Er kramt wieder mit den Sachen. Holt das Portemonnaie vor, klappert mit dem Gelde. Legt ein Goldstück auf den Tisch.) Hier! ... Da können wir beide ... morgen früh noch ... Einiges einkaufen ... gehn! Die Jungens könn’n dann ’n Baum putzen ... und am Abend ... bescheer’n wir! ... Na? Was machst’ denn für’n Gesicht?!

Toni: Ich? ... O, gar nicht, Vaterchen!

Selicke (misstrauisch): Ae! Red’ nich! ... Das heisst: Kommste wieder ... so spät, he? ... Ja, — ja, mein Töchterchen! .. Dein Vater darf sich wohl nich mal’n Töppchen gönn’n? ... Was?! ... Ae, geh weg! Du altes, dummes Fraunzimmer! ... Ja! Ich möcht’ mal sehn ... wenn Euer Vater ... nich wär’! ... Weisste, mein’ Tochter? ... Mir geht viel im Koppe rum! ... Ich sorge mich — Euretwegen! ... Ja, ja! Wenn ich Dich so sehe! ... Wie sind andre Mädchen in Deinem Alter! —

(Die Flurthür öffnet sich ein wenig. Frau Selicke lauscht durch den Thürspalt).

Du liegst Dein’m Vater immer noch — auf’m Halse! ... Ja, ja! ... Ae! Du! ... Geh weg! ... Ich mag Dich nich mehr — sehn! ... (Für sich, indem er seitwärts tritt und an seinem Rocke herumzerrt, um ihn auszuziehen.) Ae! Is das — ’ne Hitze? ...

(Toni versucht ihm beim Ausziehen des Rockes behilflich zu sein. Selicke brummt missgelaunt vor sich hin): Mach’, dass Du wegkömmst! ... Ich — brauch’ Dich nicht! (Toni hilft ihm dennoch. Er streift etwas die Wand. Endlich hat sie mit zitternden Händen ihm den Ueberrock und dann auch den Rock abgestreift und beides an die Knagge neben der Corridorthür gehängt. Selicke steht nun in Hemdärmeln da. Streicht sich über die Arme und schlägt sich dann, vor sich hin kichernd, mit der Faust auf seine breite, gewölbte Brust): Ae! ... Ja? Siehste? ... Dein Vater is noch’n Kerl! ... (Lacht.) Was meinste, mein’ Tochter! ... Z—zerdrück’n könnt’ ich Dich mit meinen Händen! .. Z—zerdrücken! .. Das wär’ am Ende auch — das Beste! ... (Mit dumpfer Stimme, sieht vor sich hin) Ich häng’ Euch — alle auf! Alle! .. Un dann — schiess ich mich — todt! ... (Toni wankt ein wenig zurück nach der Flurthür zu. — Selicke geht auf die Kammerthür zu. Man hört Walter in der Kammer weinen). Na, was — haste denn, dummer Junge?! (Mit schwerfälligen Schritten, ein wenig wankend, in die Kammer. Toni öffnet die Flurthür halb. Frau Selicke steckt den Kopf in’s Zimmer).