Drei Wochen sitzen die Taucher abwechselnd auf den Eiern; die Wärme, die die faulenden Pflanzenteile entwickeln, hilft tüchtig mit brüten, und eines Tages tönt ein leises Piepen unter dem Brustgefieder von Frau Grauwange hervor. Ein Junges arbeitet lebhaft mit dem harten, weißen Eizahn auf der Spitze seines Schnabels, bis es die Schale durchbrochen hat und es heraus kann aus dem engen kalkigen Gefängnis. Ein kleiner schwarzer, weißgestreifter Wollball arbeitet sich ans Licht. Vier andre junge Dunentaucher tun das nach und am Abend sitzen fünf piepende allerliebste Kinder im Nest und lassen sich von der Mama trocken wärmen.

Doch am nächsten Tage sind sie schon nicht mehr auf dem faulenden Schilfhaufen zu finden. Im Gefieder der Mutter versteckt, schwimmen sie über das Wasser dahin, lassen sich füttern mit zarten Bissen, und leben sorglos in den Tag hinein. Naht Gefahr, geht der Teichaufseher mit seinem ewig geladenen Schießprügel am Schilfrande hin, dann klammern sich die Kinder fest am Gefieder der Alten, sie halten den Atem an und hopsa, geht es hinunter in die Flut und rasch hinein ins Schilf. Hier sind die Kleinen schon selbständiger, sie schwimmen ein wenig umher mit ungeschickten Ruderstößen, haschen hier ein winziges Krebschen aus dem Wasser und schnappen dort eine Mücke weg, die ihre Eier ins Wasser legen will.

Bei Haubentauchers sind jetzt auch Kinder angekommen, und doppelt stolz schwimmen die Eltern am Schilfrande. In ihrer Freude vergessen sie ganz ihre sonstige Wachsamkeit, sie liegen hoch im Wasser, und der Papa singt sogar seinen Kindern, die sich auf dem Rücken der Mama schaukeln, ein dröhnendes Wiegenlied.

Er hört nicht die leisen Schritte hinter dem Deichdamme, hört nicht das Knacken des Gewehrhahnes. Mit einem Male sieht er eine Bewegung am dicken Pappelstamme. Er dreht den helmverzierten Kopf und äugt scharf nach dem Baume. Da blitzt es und wie ein Schauer körniger Hagelstücke peitscht eine Ladung Schrote das Wasser, zerfetzt den Hauptschmuck des Tauchers, durchbohrt seinen Hals, zerreißt sein Lebensmark.

Es plumpst und plantscht im Schilfe, der Jagdhund schwimmt prustend hinüber zum Krontaucher, faßt ihn und bringt ihn zum Ufer. „So recht, mein Hund, hier bring ihn her. Setz dich brav!“ Dann nimmt der junge Jägersmann den Taucher und streicht ihm über die atlasweiße Brust. Der Lockenkopf seines Mädels taucht auf vor seinem Geiste, und ein Taucherbarett darauf, das muß fein passen zu den dunklen Locken und den frischen, roten Wangen. — An das Taucherweib denkt er nicht und ihre Kinderschar, denen er Gatten und Vater entrissen.

Vom Hecht

„Frühling, Frühling!“ läuten die weißen Blüten des Schneeglöckchens. „Frühling!“ sagt der Haselstrauch und schüttelte leise seine gelben Kätzchen im Winde, daß Staubwölkchen ihnen entschweben. Mit zarten, roten Büschelarmen langen und tasten die weiblichen Blüten nach dem goldenen Staube, dem Liebespfande der Männchen. Wärmender, feuriger lockt von Tag zu Tag die Sonne, Leberblümchen und Veilchen ruft sie. Schmeichelnd badet sie ihre Strahlen im Waldteiche, sie lockt die Pflanzen und ruft die Tiere. Mit knurrenden Tönen schwört der Taufrosch seiner kalten Gattin ewige Liebe, und auch die stummen Fische spüren des Lenzes Macht.

Dort, wo die Ufer breit und sumpfig sind, wo das Wasser wärmer ist, als an den tiefen Stellen, da zeigen rasch laufende Wellen, daß Leben hier pulsiert. Grünhals, der Stockerpel, sucht mit hochgerecktem Kopfe zu ergründen, was hier vorgeht, während seine Gattin lieber die gefährlich scheinende Stelle ganz meidet. Doch die zwei, die sich dort tummeln, die denken jetzt nicht an Mord und Raub, so gefährliche Burschen sie auch sonst sind. Spielend reibt der Hecht seine breite Schnauze an den Seiten des Weibchens, drängt sich dicht an sie, biegt seinen geschmeidigen Leib im Kreise um sie und erweist ihr hundert Artigkeiten. Frisch und glänzend zeichnen sich die graugrünlichen Wellen- und Fleckenornamente auf seinem Körper ab, erscheinen bald heller, bald dunkler, bald schwärzlich, bald rötlich, je nachdem die Sonne ihr Gesicht hinter den Wolken verbirgt oder glänzend hernieder lacht. Abend wird es und noch immer dauert das Spiel, es wird Morgen, die Hechte stehen und spielen noch an der gleichen Stelle. Nach einigen Tagen aber sind sie verschwunden. Wo sie sich tummelten, liegen schleimige Klümpchen zwischen den Pflanzen.

Weiter lockt und wärmt die Sonne. Sie hat jetzt viel zu tun. Große Gallertklumpen liegen im Teiche und wollen gewärmt sein, damit die kleinen Kaulquappen sich gut in ihnen entwickeln. Kleine schwarze Schüppchen treiben auf dem Wasser, kleben an den Pflanzen oder liegen im Schlamme. Wintereier der Wasserflöhe sind es, die auch ausgebrütet sein wollen. Dazu kommt noch das Heer der Pflanzen, die ihre grünen Blättchen entfalten und hungrig die Lichtstrahlen auffangen, damit sie Stärke und Zucker bauen können. Der Wasserhahnenfuß mit seinen dünnen Fiederblättchen, der Fremdling aus Amerika, die Wasserpest, dazu das Heer von Millionen kleiner Kieselalgen, dünner Fadenalgen und rollender Volvoxkolonien, sie alle wollen Licht haben, Licht und Wärme. Und die Sonne strahlt und strahlt, und jeder bekommt sein Teil von ihrer Lebenskraft. In kurzer Zeit hat sie ein Heer kleiner Lebewesen hervorgebracht, die durcheinander hüpfen und schwimmen, krabbeln und klettern, daß es eine Lust ist, zuzusehen.

Was ist unterdessen aus den Schleimklümpchen geworden, die die Hechte am Teichufer liegen ließen? Kleine schwarze Pünktchen bildeten sich in ihnen, die wurden größer. Bald ließ sich ein kleines, zusammengeringeltes Fischchen in ihnen erkennen. Eines Tages sind die winzigen Dinger ausgekrochen, einige kleben noch an den Eihüllen, die andern sind zwischen den Pflanzen verschwunden. Nur selten verlassen die kleinen Hechte den dichten Pflanzenwald, hier finden sie ja alles, was sie brauchen. Wasserflöhe, Mückenlarven und Würmer bilden ihre Nahrung, bei der sie erstaunlich rasch heranwachsen. Einige Wochen mögen sie alt sein, da richten sie ihre begehrlichen Blicke schon auf junge Fischbrut. Ob junger Weißfisch oder Schleie, ob ein Freund der eignen Art, das ist gleich. Wenn er nicht zu groß ist, wird er gefangen und gefressen.