Drei Monate warteten die Krašićer auf die „Gerechtigkeits“-Kommission — vergeblich. Es kam kein „Herr“ von Karlstadt, niemand von Agram. Bauern von weither in Massen, die entblößten Hauptes vor der gemordeten Linde standen und beteten.
Jahre hindurch blieb der vermodernde Riesenstamm unberührt als Zeuge jenes bitteren Ereignisses liegen. Die Krašićer rührten keinen Finger. Die Behörden erst recht nicht.
Tatsächlich sproß aus der Leiche der alten heiligen Linde ein neues Bäumchen hervor, das eine neue Zeit und mit ihr eine Regelung der Abgabenpflichten und der Rechte der Bauern brachte. Und als der Moder der alten Linde zerfallen, vom Meteorwasser verschwemmt, von den Winden verweht war, das Jungbäumchen erstarkte, erlosch der grimme Haß des kroatischen Bauers gegen jeden „Herrn“, das heißt gegen jeden Menschen, der nicht ständig Bauernkleidung trug.
Das ist die Geschichte der tausendjährigen Linde.
Fußnoten:
[15] Nicht überschreite er auf vier Füßen die Brücke.
[16] Pravo = Recht, Berechtigung. Gemeint war die „Königliche
Proposition“ des nach mehrjährigen Parlamentskämpfen im Ungarischen
Reichstag endlich 1837 zustande gekommenen Urbanialgesetztes gegen die
Bauernschinderei.