XXI.

Im Hause des Bezirksarztes machte Frau Rosa die ersten Gehversuche auf Krücken gestützt und ihr Gatte half ihr bei diesem Beginnen, wobei er sie tröstete über das unvermeidlich gewordene Ungemach, daß ein Fuß kürzer bleiben werde. „Rosel wird halt hinken fürs weitere Leben!“ meinte Dr. von Bauerntanz. „Ich bin eben ein Pfuscher!“

„Sag' doch das nicht! Mir geschieht ganz recht, das ischt die gerechte Strafe! Ich hab's nicht besser verdient!“

„Wieso denn, Rosel?“

Die Doktorin errötete bis an die Haarwurzeln hinauf und humpelte zum Gatten. Die Krücken fortwerfend, setzte sie sich auf seine Knie, legte das Köpfchen an seine Brust und begann reumütig zu beichten, daß sie zwar sehr leichtsinnig gewesen, mit dem Feuer gespielt hätte, doch nicht gefallen sei.

„Du warst aber doch oben allein mit ihm, Rosel?“

Erglühend gestand die Doktorin: „Ja! Verzeihe mir! Ich habe gefehlt, fast hätte ich dem Drängen nicht widerstanden! Im letzten Augenblick aber riß ich mich los und kaum wissend, was ich that, sprang ich, nur um fortzukommen, in einen der eben durchlaufenden Luftbahnwagen, der mich entführte. In der großen Aufregung vermochte ich nicht ruhig zu sitzen, der Wagen kam ins Schwanken, ich fiel heraus und stürzte in die Tiefe!“

Still ward es in der Stube. Der Doktor kämpfe mit seinen Empfindungen eine Weile und weinend lag sein Weib an seiner Brust.

Dann nahm er Rosas Kopf in die Hände und küßte die Gattin mit einem langen verzeihenden Kuß auf die zitternden Lippen.