An fünfzig Personen aus Salzburg starben im Schinderhaus zu Riedenburg.
Auf Befehl des Fürsten mußten deren Verwandte wie auch sonstige Inwohner
aus der Stadt auf die Felder verbracht werden und dort verbleiben, die
Rückkehr war aufs strengste verboten.
Gesunde Leute zu Salzburg zwang man, tagsüber auf einige Stunden sich im
Freien zu ergehen, auf daß sie doch etwas an die Luft kämen.
Als die Kunde zu Wolf Dietrich drang, daß die Ausgestoßenen auf den Feldern bittere Not litten, keine Verpflegung hätten, indem die umwohnenden Bauern in ihrer Angst vor Ansteckung sich weigerten, Nahrung abzugeben und die Leute scheu mieden, da sorgte der Erzbischof sogleich und schickte Atzung jeglichen Tag, auch mußten auf seinen Befehl Ärzte und Priester zur Wartung und Pflege der Kranken hinaus.
Endlich umzog sich das Firmament mit Wolken, von den Bergen blies frische Luft, ein Regen erquickte Land und Leute.
Die Salzburger faßten wieder Mut und wurden beweglich; Bürger thaten sich zusammen und supplizierten zum Fürsten, es solle der Erzbischof doch nicht so grausam sein und die Kranken im freien Felde belassen oder doch wenigstens auf der Schanz zu Mühlen (Mülln) unter Dach bringen, wofür die Bürgerschaft zur Deckung der Kosten eine Steuer extra zahlen wolle.
Diese Supplikation, hauptsächlich wohl der anmaßende Ton und Undank, erbitterte den Fürsten schwer, es erfloß ein Mandat, worin die Bürger als Aufwiegler und Unruhestifter erklärt und mit insgesamt achthundert Gulden Strafe wegen ihrer Ungebühr belegt wurden.
Die kühle Witterung hielt an und brachte Besserung im Krankenstande.
Auf Befehl des Fürsten durften die Exilierten, nachdem die Ärzte hierzu ihre Einwilligung gegeben, wieder ihre Stadtwohnungen beziehen, und auch den Franziskanern wurde die Rückkehr wieder gestattet, deren Kloster vorher völlig in stand gesetzt worden war. Im ganzen waren zu Salzburg neunzehn Häuser infiziert gewesen und etwa fünfzig Personen daraus verstorben. Damit erlosch die Pest in der Bischofsstadt und die Schrecken wichen. Zurück blieb nur der Ärger über die achthundert Gulden Strafe, welche unweigerlich an die Hofkasse gezahlt werden mußte.
Spätherbst war ins stiftische Land gezogen, die Wälder prangten in leuchtenden Farben.
Vom Franziskanerkloster wurden die Brüder ein letztes Mal vor dem Winter zum Terminieren ausgeschickt, einmal um für den eigenen Bedarf Vorräte zu bekommen, dann aber auch nach alter Satzung dieses Ordens Naturalien für die Armenbeköstigung zu erhalten.