In der Bischofsstadt traten Delegierte des Kaisers, Bayerns und salzburgische Hofräte zu einer Beratung zusammen und entwarfen einen neuen Vertrag, wonach Salzburg in der Hauptsache im status quo verbleibe, Bayern den gesamten Salzhandel zu Wasser behalte, ja daß man der Stadt Passau nur so viel Salz verabreichen dürfe, als diese selbst verzehre. Es handelte sich also lediglich darum, die Konkurrenz des kaiserlichen und des salzburgischen Salzes in Böhmen einigermaßen für den Kaiser erträglicher zu gestalten; dem Kaiser sollte deshalb gestattet werden, selbst jährlich 250000 Kufen von Bayern zu festgesetztem Preise und für bestimmte Städte in Böhmen zu beziehen; von jeder dort eingeführten Kufe wollte Bayern ferner dem Kaiser fünf Kreuzer bezahlen; Preissteigerungen sollten aber möglichst vermieden werden.
Der Kaiser lehnte diesen Vertragsentwurf ab.
Wolf Dietrich beschloß daher, den Wert seiner Freundschaft dem Kaiser begreiflich zu machen. Schon früher einmal hatte der Erzbischof sich mit dem Pfalzgrafen von Neuburg liiert, um auf einem Reichstage eine Reform des kaiserlichen Kriegswesens zu betreiben, auch war Wolf Dietrich auf dem gleichen Reichstage rhetorisch als eifriger Vorkämpfer des Katholizismus aufgetreten. Der verlorene Kardinalshut wie die Weigerung des Kaisers in der Salzfrage veranlaßten den Fürsten eine Schwenkung zu vollziehen, Wolf Dietrich stellte sich auf den Standpunkt der protestantischen Bewegungspartei und wies seine Gesandten an, den Frieden mit den Türken unbedingt zu befürworten, obgleich die Lage der Dinge in Ungarn den Krieg gebieterisch forderte.
Auf dem Reichstage zu Regensburg prasselten die Meinungen aufeinander, die salzburgischen Gesandten traten instruktionsgemäß den kaiserlichen Wünschen sogleich entgegen, sie verzögerten die Beratungen unter Hinweis auf Mangel an speziellen Instruktionen und hielten mit den gleichfalls dissentierenden Pfälzern.
Als aber die Mehrheit für die Bewilligung einer Geldhilfe nach Römermonaten[16] entschied, erklärten Wolf Dietrichs Delegierte: Da die Hilfe freiwillig sei, so könne niemand über sein Vermögen hinaus zu Leistungen angehalten werden; der Mehrheitsbeschluß sei also für Salzburg nicht verbindlich; wenn aber der Kaiser, der achtzig Römermonate gefordert, keine Kreissteuern mehr fordern werde und sich verpflichte, diese Türkensteuer erst nach Ablauf der früher bewilligten zu verlangen, und wenn außerdem auch die Reichsritter, die Hansa und die ausländischen Staaten zu Leistungen herangezogen würden, so erkläre sich Salzburgs Herr und Erzbischof allerdings zur Zahlung von acht Römermonaten bereit.
Der ganze Reichstag staunte ob der Entschiedenheit der salzburgischen Erklärung, über die Weigerung, sich einem Mehrheitsbeschlusse zu fügen, über die Ignorierung der Verbindlichkeit eines solchen Beschlusses seitens eines einzelnen Staates. Das Aufsehen mußte um so größer werden, als Salzburg ein katholischer Reichsstand war, der gegen Kaiser und Reichsverfassung opponierte. Salzburg erschütterte die Grundlage des Reichs.
Graf Lamberg, welcher unter den Delegierten sich befand, erkannte die Verstimmung gegen seinen Herrn nur zu gut, konnte aber an solcher Wirkung der salzburgischen Forderungen nichts ändern. Er bemühte sich jedoch, mit dem Bayernherzog einen modus vivendi zu schaffen, freilich nur mit dem Resultat, daß Herzog Maximilian erwiderte: auch ihn kämen die hohen Reichshilfen schwer an, aber er nehme diese Bürde auf sich, weil er wünsche, zur Rettung des gemeinsamen Vaterlandes beizutragen.
Noch nach einer anderen Seite hin war der kluge Graf Lamberg thätig, er urgierte den Salzvertrag in der Umgebung des Kaisers und erhielt die Zusicherung, daß die Ratifizierung in späterer Zeit erfolgen werde, weil der Kaiser auf die Hilfe Salzburgs nicht verzichten könne.
Mit dieser wichtigen Nachricht reiste Lamberg sogleich nach Salzburg.