Beide Alts wußten in ihrer grenzenlosen Überraschung nichts anderes zu thun, als den bedeutungsvollen Satz zu wiederholen: „Muß der Bürger und Bauer zahlen, sollen es Adel und Klerus auch!“

Die Frau Bürgermeisterin hatte von dem Gemurmel nur das Wort „zahlen“ verstanden, und dieses Wort übte auch auf die würdige Frau die gleiche Wirkung aus wie auf alle Salzburger Patrizier, denen die Aufhäufung von bischöflichen Lasten, das ständige Anziehen der Steuerschraube ein Greuel war. Daher fing Frau Alt auch gleich zu jammern an zum Entsetzen ihres Gemahls. Wilhelm Alt suchte die Schwägerin zu beruhigen durch den Hinweis, daß es diesmal dem Adel und der Geistlichkeit gelte und das sei nur in der Ordnung.

„O, die haben ja selber nichts, die Geistlichen!“ meinte Frau Alt.

„Schweigt doch, Schwägerin, es ist nicht der arme Landklerus gemeint, sondern die reichen Klöster und Stiftsherren, die sollen nur auch zahlen, der Fürst hat da ganz recht!“

Das seine Ohr Wolf Dietrichs hatte diese halblaute Äußerung vernommen, und die Zustimmung des angesehenen Handelsherrn versetzte den jungen Fürsten in rosige Laune. „Freut mich, lieber Alt! Ihr sehet, wir finden den modus viviendi; der Anfang zu einer Verständigung zwischen Fürst und Volk ist gemacht, auf diesem Wege wollen wir bleiben und fortschreiten.“ Zu Salome gewendet sprach Wolf Dietrich: „Will die Wolke nicht weichen von der reinen Stirne? Ich denke, wir sind in Eintracht! Kann ich der Majestät Schönheit einen Dienst erweisen, sprecht, Göttin, Ihr seht den Fürsten dienstwillig wie einen Sklaven, haschend nach einem Sonnenstrahl Eurer Gnade!“

Salome lächelte in bezaubernder Anmut, ihre Kirschenlippen kräuselten sich zu leisem, gutmütigem Spott: „Das zu glauben, hoher Herr, fällt mir schwer! Sklavisch ist nichts an Ew. Hochfürstlichen Gnaden, hoch der Sinn, hoch der Geist wie hoch die Würde! Ich möchte meinen gnädigen Landesherrn auch niemals in einer Sklavenlage wissen!“

„Ihr versteht es wohl, die Worte fein zu setzen; ein Notarius könnte von Euch lernen! Doch sprach auch ich bei allem Feuer des Empfindens mit Bedacht und tiefer Sinn liegt in meinen Worten, da ich sage: Sklave möcht' ich sein, so Eure Huld würde mich beglücken!“

Ein Kichern folgte dieser galanten Beteuerung, dann flüsterte Salome:
„So mein gnädiger Herr heute seltsam gebfreudig ist, will die
Gelegenheit beim Schopf ich fassen und bitte ich Ew. Hochfürstliche
Gnaden um die Verlaubnis, ein Gläschen rheinischen Weines trinken zu
dürfen auf das Wohl unseres gnädigen Herrn!“

„Das wollen wir freudig thun, schöne Göttin; doch nicht harter Deutschwein soll Eure Rosenlippen netzen, wir nehmen edlen Terranto, der unter Vicenzas Himmel gedeiht!“ sprach Wolf Dietrich und wandte sich zum Bürgermeister mit der Frage, ob dieser edle italienische Wein zu haben sei.

„Zum hohen Glück, Ew. Hochfürstliche Gnaden an dieser Tafel zu wissen, gehört — Thalhammers feinerprobte Zunge!“ schnatterte Ludwig Alt, dem die unvermutete Frage die Gedanken durcheinander brachte.