Überrascht blickte Wolf Dietrich auf, er wußte nicht im Augenblick, wohinaus Salome wolle. „Den Bayer zwingen? Dazu reicht Salzburgs Macht nicht wohl aus!“
„Nicht Salzburg hätte ich im Auge, der Kaiser kann ihn zwingen!“
„Der — Kaiser?! Salome, deiner Gedanken hoher Flug setzt mich fürwahr ins
Staunen!“
„Wie Salzburg steht zum Kaiser, ich weiß dies nicht. Ein bittend Wort, mein' ich, und gerne wird des Reiches höchster Herr betätigen des Stiftsherrn Urkund' — —!“
„Hm!“ Gedankenvoll schritt Wolf Dietrich im reich geschmückten Wohngemach hin und her, nicht eben angenehm berührt von den Plänen Salomes, die zu realisieren das schwankende Verhältnis Salzburgs zum Kaiser sehr erschwert. Ist der Fürst in diesen Tagen persona grata bei Rudolf, es kann solche Beziehung sich ändern binnen wenigen Tagen, und von besonderer tief empfundener Ergebenheit zum Kaiser spürt Wolf Dietrich wenig in seinem Herzen. Dies aber der Gemahlin zu sagen, geht nicht an. Zu Salome tretend, sprach der Fürst: „Solch' wichtige Sache will überlegt, sorglich betreuet sein. Ich werde deinen Plan im Aug' behalten und zur rechten Zeit den rechten Schritt thun!“
„Wie mein gnädiger Herr befiehlt! Nur bitt' ich in schuldiger Ehrfurcht, es möge nicht zu lang gezögert werden, wasmaßen vom Herzog Max nicht viel des Guten zu versehen ist!“
„Pah, der Bayer! Ein Mann, der im Rücken kämpft und salzhungrig ist!“
Salome kannte den Fürsten zu genau, um in Momenten solcher Geringschätzung eine Umstimmung, eine Warnung zu versuchen, womit nur das Gegenteil, erbitterter Trotz, erreicht würde. Die kluge Frau wollte aber auch nicht beitragen, die Mißachtung und Unterschätzung eines gefährlichen Gegners zu fördern, und so beschränkte sich Salome darauf, den Gebieter zu bitten, die für die Kinder wichtige Angelegenheit nicht aus dem Auge verlieren zu wollen.
Mit einer leisen Verstimmung im Herzen kehrte Wolf Dietrich in seine Apartements zurück. Briefe Lambergs aus Regensburg, die ein Kurier eben gebracht, konnten die Laune des Fürsten nicht verbessern. Lamberg berichtete, daß der Reichstag gesprengt sei infolge der wegen der Erneuerung des Religionsfriedens zwischen den protestantischen und katholischen Ständen ausgebrochenen Streitigkeiten, und daß bisher die Gesandten Salzburgs mit der katholischen Partei gegangen seien. Die protestantische Bewegungspartei habe nun die „Union“ errichtet, eifrige Katholiken seien daran, als Gegengewicht die „Liga“ zu gründen, und so frage Lamberg an, ob Salzburgs Vertreter dieser Liga beitreten dürfen oder nicht.
Das umfangreiche Schreiben schloß mit dieser Frage ab, Lamberg hatte es unterlassen, seiner Meinung betreffs eines Beitrittes zur Liga irgend welchen Ausdruck zu geben.