„So streng soll der Bayern-Herzog sein?“

„Noch mehr! Er giebt Fanggeld für Ehebruch-Denunzianten! Muß lieblich Leben sein im Bayerlande! Und bei solchen Auswüchsen mutet man mir zu, die Jesuiten, die den Herzog in den Fingern haben, zu berufen in das Erzstift. Können lange warten! Salome, geh' nicht nach Bayern, laß deine kleinen Füßchen nimmer sehen vor einem Bayer, ansonsten wird Salome gepönt, verliert den schönen Kopf!“

Die Favoritin staunte über solche Spottlust, die Wolf Dietrich überkommen; der Fürst war kaum zu erkennen in dem Sticklachen, das ihm den Kopf rötete. Es bedurfte einiger Zeit, bis Wolf Dietrich ruhiger wurde, und Salome nützte dieses Intervall, um sich durch vorsichtige Fragen einigermaßen über die jetzigen Beziehungen Salzburgs zu Bayern zu orientieren. Wo der Stiftsherr so grimmig spöttelt, kann es mit der Freundschaft nicht zum besten bestellt sein, das zu erraten fand auch Salome nicht schwer.

Wolf Dietrich ging auf die Fragen seiner Freundin williger denn erwartet ein, es schien ihm, nachdem der Lachreiz überwunden, Bedürfnis, seine Meinung vertraulich auszusprechen. Freilich blieb mancher Ausdruck in lateinischer Sprache der Dame unverständlich, Salome mußte sich aufs Raten verlegen und deutete das „aut Caesar aut nihil“ dahin, daß der Gebieter entweder zu öberst in der Liga sitzen oder gar nicht mitthun wolle.

Die weiteren Bemerkungen des Fürsten bekräftigten diese Auffassung: „Wo der Bayer das Direktorium hat, geht Salzburgs Stiftsherr nimmer mit, wasmaßen immerdar geizet nach der Hegemonie im deutschen Süden. Die Vorherrschaft gebühret aber dem Erzstift, ich bin Primas von Deutschland, nicht der Bayern-Herzog!“

Vorsichtig fragte Salome: „So strebet der Nachbar wohl gar die Erbschaft im Erzstift an?“

Höhnisch rief Wolf Dietrich und richtete sich dabei auf: „Soll er wie er will und mag! Wird ihm nichts nützen, an meiner Thür ist ein tüchtiger Riegel vorgeschoben und diesen bringt kein Herzog und kein Kaiser weg!“

„Mein gnädiger Herr spricht in Rätseln!“

„Keineswegs, und Salome wird gleich verstehen, wenn ich sage: Ins Erzstift darf mir kein Prinz von Bayern, auch nicht von Österreich kommen; den Koadjutor bestimmen wir selbst, und das von mir und dem Kapitel aufgestellte Statut schließt die Wahl von bayrischen und österreichischen Prinzen für immer aus. Das ist der Riegel vor der porta salisburgensis, von dem ich gesprochen!“

Ängstlich fragte Salome: „Mußte das sein?“