„Das ist richtig! Soll eben das Kapitel diesmal helfen!“
Lamberg, der die feindselige Stimmung des Domkapitels gegen den Erzbischof nur zu gut kannte und daher wußte, daß das Kapitel nicht einen Gulden für den leichtsinnig heraufbeschworenen Konflikt mit Bayern bewilligen werde, wollte dies dem Fürsten nicht direkt sagen, immerhin aber versuchen, Wolf Dietrich über die furchtbare Gefahr die Augen zu öffnen. So deutete denn Lamberg an, daß Herzog Max sich wegen Bruchs der Reichskonstitutionen und des Landfriedens an den Kaiser werde wenden.
Der Erzbischof lachte hellauf, spöttisch erwiderte er dann: „Da kommt der Bayer just an den Rechten! Ein Kaiser ohne Land, krank, verbittert, ein Spielball in den Händen seiner geliebten Jesuiten, der wird froh sein, wenn man ihn lasset unbehelligt.“
„Es besteht auch die Möglichkeit, daß Herzog Max sich nach Speyer an das
Reichskammergericht wendet!“
Wieder lachte Wolf Dietrich: „Dann kann der Bayer warten bis zum jüngsten Tag; früher bekommt er von Speyer keinen Bescheid!“
„Hochfürstliche Gnaden glauben also, daß der Herzog sich die Wegnahme
Berchtesgadens wird ruhig gefallen lassen?“
„Ob ruhig oder nicht, das Faktum ist geschaffen, und ich gebe das Faustpfand nicht früher heraus, bis der Bayer um gut Wetter bittet, meine Bedingungen erfüllet Punkt für Punkt!“
Tiefernst blickte Lamberg den Fürsten an und traurig sprach er: „Dann,
Hochfürstliche Gnaden, ist meine Mission als treuer Rat beendet. Ich
sehe nur ein Ende mit Schrecken, keine Rettung für das Erzstift, das der
Herzog wird mit Krieg überziehen und —“
„Und?“
„Erlaßt mir das harte Wort, gnädiger Herr!“