„Die Ross' müssen getränkt werden!“ erklärte der für den Troß
verantwortliche Postmeister und fügte in auffallend despektierlichem
Tone bei, daß er sich seine Pferde nicht ohne besondere Entschädigung zu
Schanden reiten lasse.

Wolf Dietrich hielt selbst ein so scharfes Fluchttempo für unnötig und gab Befehl zum Tränken der Rosse.

„Im Sattel bleiben!“ rief Rudolf v. Raittenau, dem Unheil schwante.

So verging eine Halbstunde, zumal der Postmeister auch noch die
Sattelgurten anziehen ließ und den Hufbeschlag revidierte.

Mißtrauisch betrachtete Rudolf diese Vorkehrungen, so sehr sie sonst ja einleuchtend und gerechtfertigt erscheinen mußten. Und wie fortgezogen ritt der jüngere Raittenau voraus und hielt inmitten der gegen Eisentratten-Gmünd führenden Straße Umschau, insbesondere zurück gen den Katschberg.

Plötzlich zuckte Rudolf zusammen, blickte schärfer hin, kein Zweifel, ein Reitertrupp jagte heran. Das können nur Feinde sein, vielleicht bayerische Reiter, die Wolf Dietrich abfassen wollen.

Wie Wirbelwind sprengte Rudolf zur Taverne, schrie Alarm und drängte zur schleunigsten Flucht.

„Rottmayer an die Spitze!“ befahl der bleichgewordene Fürst.

Der Postmeister jedoch machte keine Miene, sein Roß zu besteigen und erklärte höhnisch: „Wir sind hier bereits auf kärnterischem Boden, ich bin hier nicht mehr Euer Diener!“

Zornig wollte Wolf Dietrich den feigen Unterthanen sogleich strafen,
doch Rudolf griff in des Falben Zügel und riß das Roß mit sich vorwärts.
„Fort, fort, Galopp! Die Bayern kommen hinter uns!“ schrie der besorgte
Bruder.