Wolf Dietrich durchmaß in Erregung sein Arbeitsgemach mit eiligen Schritten und unmutig ob der Störung rief er dem Kämmerling zu: „Was soll es? Ich wünsche allein zu bleiben!“

„Eure Hochfürstliche Gnaden wollen die Störung verzeihen! Ein außergewöhnlicher Vorfall, Mädchenraub — der Handelsherr Wilhelm Alt —“

„Dessen Eile ist begreiflich! Der Mann will wohl zu mir und ist in hohem
Maße aufgeregt?“

„Eure Hochfürstlichen Gnaden aufzuwarten, ja so ist es! Wir hatten Mühe, den rabiaten Mann in Formen zu bringen, die allein den Zutritt bei Hofe ermöglichet“

„Bring mir den Mann! Je eher er zum Ausspruch kommt, desto besser. Es war ja zu erwarten!“

Wenige Minuten später standen sich beide Männer gegenüber; Wolf Dietrich erschien zwergenhaft neben dem langen hageren Kaufherrn und klug nützte er das durch die Fenster einströmende Tageslicht, das grell auf Alts vergrämtes Antlitz fiel und genaueste Beobachtung gestattete.

Trotz seiner wilden Erregung erwies Alt die dem Fürsten gebührende Reverenz, aber zu einer ehrerbietigen, förmlichen Anrede konnte er sich nimmer meistern, heiser rief er: „Wo ist meine Tochter?“

Kühl erwiderte Wolf Dietrich: „Wie soll ich das wissen? Was ist geschehen, was wollt Ihr von mir?“

Alt zuckte zusammen, richtete sich aber sofort wieder auf und scharf klangen seine Worte: „Ihr wißt so gut wie ich, daß Salome in vergangener Nacht von der Gasse weg entführt worden ist!“

„Was unterfängt Er sich?! Vergeß' Er nicht, Er stehet vor seinem
Fürsten!“ rief grollend Wolf Dietrich, dem das Blut heiß aufstieg.