„Warum? Sprecht, Salome! Ich bange um jenes Wort! Warum zögert Ihr?“ rief erregt der feurige Fürst.

„Es kann nicht sein, o Herr! — Euer Kleid —“

„Wie?“

„Euer Kleid soll sein des höchsten Priesters, und der niedrigste der
Geistlichen muß — unbeweibt verbleiben wie der höchste —!“

„Ich erwerbe mir Dispens! Und sollt' mir verwehrt sein, was hunderte im
Klerus meines Landes ungepönt gethan?!“

„So wolltet Ihr, o Herr, Euch hinwegsetzen über Roms Gebot, beweiben Euch? Kann entgegen einem kirchlichen Gebot die Kirche binden eine verbotene Ehe?“

„Rom kann alles! Und ich bin Herr und Fürst in meinem Lande! Ich sprech' das Machtwort und ein geistlich Untergebener hat zu gehorchen. So biet' ich meine Hand zum Ehebunde, so Ihr verlangt nach kirchlicher Trauung!“

„Laßt mich zum Vater!“ rief erregt Salome.

„Solch' Antwort vermag ich nur als ‚nein‘ zu deuten, und niemals kehrt
Salome zu mir zurück!“

Innehaltend an der Schwelle des Gemaches, wandte sich Salome nochmals zum Fürsten und rief ihm zu: „Mein Wort zum Pfand, ich kehre wieder, um Botschaft Euch zu thun! Doch nun gewährt Bedenkzeit, gebt mich frei! Nur ungezwungen vermag einen Entschluß ich zu fassen!“