„Den Namen nenne! Doch nein, ich weiß ihn! Mein Verdacht war rege, eh' die Schandthat ist geschehen. Ist's auch der Fürst selbst gewesen, er soll mir büßen und kostet es mein eigen Leben!“
Salome warf sich weinend in des Vaters Arme und flehte um Milde.
„Du selbst, das Opfer, willst schonen, um Milde bitten für den Schänder unserer Ehre? Ich faß' es nicht! Was ist geschehen, daß wirr geworden meiner Tochter sonst so heller Verstand?“
Die Umarmung auflösend, trat Wilhelm Alt zurück, sein Blick galt forschend der Tochter, die jäh errötete und dann wieder erblaßte.
„Was soll das Farbenspiel in deinen Wangen? Mir ist rätselhaft dein Wesen! Ist verraucht dein Mädchenstolz? Haben girrende Worte deinen Sinn verderbt? Salome, dein Vater spricht mit dir, hör' es, dein Vater, der ein heilig Anrecht hat, jetzund in dieser Stunde die Wahrheit, die reine Wahrheit zu hören! Du zögerst! Heil'ger Gott, wie wird mir? Ein furchtbarer Verdacht will mein Herz beschleichen, Salome, rede Kind, bei meinem Zorn, sprich: Hat der Fürst im span'schen Gewand der Gecken dir gar von Liebe gesprochen? Ihm säh' es gleich! Hast du den fressend giftigen Wurm verlogener Falschheit im Herzen, bei Gott, ich reiß' ihn dir heraus! Mein Haus, mein Kind und meine Ehr' sollen unangetastet bleiben, hörst du, und sollten beide wir zu Grunde gehen! Lieber in Ehren sterben, als — ich kann die Schmach nicht ausdenken! Ich säh' dich lieber tot, denn in jenes Lüstlings Armen!“
Vor dem drohend erhobenen Arm und dem verzerrten Antlitz des Vaters wich
Salome zurück, weinend die Hände vors Gesicht geschlagen.
„Ha! Das schrecklichste will wahr werden, mein Kind schweigt! So hat der Fant und sei er zehnmal Fürst und Bischof, mit listig falscher Heuchelei den Kopf dir verdreht, das Gift ins Hirn dir gelispelt! Wehe ihm und dir! Mein Fluch —“
„Haltet ein, Vater! Es ist nichts geschehen, was Euren Zorn gerecht erscheinen lassen könnte!“
„Nichts? Warum dann dein betreten Schweigen? Weshalb diese Ausflucht?
Sprich ehrlich das Wort, so du es vermagst! Warst du in Wölfen Dieters
Haft und Gewalt?“
„Ja, aber —“