„Ja, ein Mahnen, gnädiger Gebieter! Beim Anblick dieses halberblühten Rösleins fuhr die Gemahnung mir durch den Sinn, daß ich wohl selbst nichts anders bin denn diese kaum erblühte, schlichte Blume….“
„Ein süß Gebild, der Blumen herrlichste ist meine Salome!“ schmeichelte der galante Fürst.
„Nicht so, o Herr und Gebieter, ist's gemeint! Ein Heckenröslein nur, die wilde Rose, wie sie wächst in Rain und Wald, entbehrend der fördernden Hand —“
„Auch solche Blume hat doch ihren Reiz, ist schön in ihrer
Schlichtheit!“
„Doch niemals wird sie eine Edelrose!“
Der klagende Ton fiel dem Fürsten auf, weich sprach Wolf Dietrich:
„Gräme dich nicht darob, es muß auch wilde Rosen geben!“
Ein Seufzer entwich der bewegten Brust des Mädchens.
„Was ist dir nur, Geliebte?“
„Das Mahnen ist's, das Schmerz mir bringt in meine Brust; nie wird das
Heckenröslein eine Edelrose, und so erblick' ich meine Zukunft!“
„Scheuch solche Gedanken nur von hinnen, Geliebte! Du bist mein alles, meines Lebens Wonne! Nie werd' ich von dir lassen! Die Sorg' um dich ist meines Daseins oberstes Gesetz!“