Vor Freude bewegt meinte das runzelige, kleine Weiblein: „I freilich,
schönes Fräulein! An die vierzig Jahre hausen wir schon oben in der
Einöd', der Welt völlig entfremdet und doch zufrieden! Was nur der Herr
Erzbischof von uns will?“

„Das wird der gnädige Herr Euch schon selber sagen! Kommt nur mit, und vor dem Empfang soll eine Kanne Weines und ein Bissen Brot Euch noch erquicken!“

„I, ist das schöne Fräulein aber gut und lieb! Der Himmel soll's Euch lohnen dereinst an Euren Kindern!“

„Pst, pst!“ mahnte der Kurat.

„I, freilich! Solche Schönheit wird nicht lange ledig bleiben! Oder seid Ihr gar schon Ehefrau, gern will ich's glauben! Hab' meiner Lebtag' so schönes Haar und Gesicht nicht gesehen und ich leb' schon lang! Freilich, viel herumgekommen bin ich nicht, allweil oben in der Einöd' und um meinen Brummbären besorgt, der ist aber die gute Stund' selber und mit dem Beißen hatt' es nie Gefahr!“

Silberhell lachte Salome auf und geleitete das zappelnde, frohbewegte
Paar ins Innere der Burg. Rasch besorgte ein Diener Wein und Brot;
Salome goß die Becher voll und hieß die Leutchen trinken.

Der Kurat stellte den erhaltenen Becher vor sich auf den Tisch und murmelte erst ein Gebet, eh' er zugriff; dann sprach er: „Gott vergelt' Euch den Willkomm und die frohe Spende! Der Labtrunk ist den Müden und Durstigen eine Wohlthat, die wir ehrlich Euch verdanken! Gott zu Ehr' und Preis und auf Eure Gesundheit, Glück und Wohlergehen hienieden!“

„Vergelt' Gott Euch alles Gute auf der Erden!“ lispelte die Greisin und nippte dann vom goldigklaren Wein.

„Dank' Euch für die frumben Wünsche! In der Einöd' habt Frömmigkeit Ihr nicht verloren und die Gottesfurcht, das will ich loben!“ sprach Salome, der es ein wohlig Bedürfnis war, mit den schlichten Leuten aus dem Volk zu sprechen. Zufällig richtete Salome den Blick durch das Erkerfenster in den Burggarten, durch welchen Wolf Dietrich in Begleitung des Domkapitulars Lamberg eben schritt. Diese Wahrnehmung veranlaßt Salome, dem Greisenpaar zu sagen, daß der Empfang nun wohl in wenigen Augenblicken werde stattfinden, es möge sich das Paar daher fertig machen.

„O,“ meinte die Greisin, „fertig sind wir allzeit, da giebt's kein Putzen mehr und keinen Tand! Was wir am alten Leibe tragen ist Festgewand und Alltagskleid zugleich! Doch sagt: Er ist wohl ein gestrenger Herr, der Erzbischof? Schlimm wie der Dechant von Werfen? O, das ist ein böser Herr, hart und streng, ein Weiberfeind gar wohl!“