„Das haben Hochfürstliche Gnaden noch jederzeit erklecklich bekundet, daher will befremden mich der Ton Eurer Rede!“

„Mit Vergunst, mit nichten! Achtet nicht auf Ton und Wort, mir ist die
Gab' der Rede nicht beschieden!“

Der fürstliche Hofbeamte schüttelte verwundert den Kopf und erklärte sich bereit, die Kornkammer öffnen zu lassen.

Der Vereinfachung halber ließ der Bürgermeister ausschellen, daß binnen einer Stunde die Armen der Stadt an der fürstlichen Kornkammer erscheinen und die Kornspende des Landesherrn in Empfang nehmen sollten.

Das gab eine freudige Bewegung in der Stadt; mit Zeggern, Bütten,
Tonnen, was eben den Leuten in die Hände kam, ward ausgezogen, im
Sturmlauf ging's der Kornkammer zu, und ungestüm drängte die Menge,
wobei es Püffe regnete und wohl auch die Kornverteiler mit Ellbogen und
Fäusten der armen Leute Bekanntschaft machten.

Der Akt solcher Wohlthätigkeit brachte einen völligen Umschwung in der Stimmung der Salzburger hervor, er zeitigte innige Dankbarkeit, der nur die besser situierten Kreise, die Kaufherrensippe und Gilden kühl gegenüber blieben. Wolf Dietrich ward als guter Landesvater gepriesen von den Armen.

Ludwig Alt konnte es nun wagen, persönlich in der Residenz zur Dankeserstattung erscheinen. Er meldete sich zur Audienz und wurde gleich vorgelassen.

Mit gewinnender Liebenswürdigkeit, huldvoll und leutselig ging Wolf Dietrich dem Bürgermeister einige Schritte im hohen Empfangssaale entgegen und begrüßte ihn mit herzlichen Worten.

Wieder empfand Ludwig Alt das fatale Würgen im Halse, doch energisch raffte der Stadtvater sich auf und sprach langsam, doch deutlich und ohne Stottern: „Hochfürstliche Gnaden! Ich komme schuldbeladen, nein, ich komme nicht…!“

„Wie meint der Bürgermeister?“