Tiefernst blickte Vogel, der die Gefahr der Bewegung im Bergvolk genau erkannte, und langsam sprach er: „Wegen dem Supplizieren kann ich Euch nichts sagen. Schon zu Zell sind die Bürgermeister von den Landgemeinden bei mir gewesen und haben gleichfalls um Verbriefung gebeten. Das ist ja ganz in der Ordnung: Wer ein Anliegen hat, soll mit dem Pfleger reden. Ich kann aber, es thut mir selber leid, nichts in der Sache thun.“

Rieder unterbrach den Beamten: „Dann ist's g'fehlt! Wir supplizieren zum
Fürsten!“

Vogel erwiderte in seiner bedächtigen Art: „Übereilt nichts! Der Herr
Riz wird demnächst schon wegen der Urbarsbeschreibung gegen Mittersill,
und wenn er daselbst gerichtet, alsdann in das Gericht Zell kommen.
Vielleicht wird es doch nicht so schlimm, als Ihr befürchtet!“

Erregt schrie Rieder: „Wer da noch hofft, verliert die eigene Haut! Kommt der Riz und fängt er zu richten an, ist's g'fehlt und wir sind verloren! Soweit dürfen wir's nicht kommen lassen! Manner, ich hoff', es kommt was drunter, ich hoff', seller Steuerteufel findet den Weg nicht in unser Gericht!“

Besorgt, erschreckt rief der Pfleger: „Leut', seid gescheit! Die Sach'
ist gefährlich, sie kann Euch noch mehr als Hab' und Gut kosten!
Gerichtet wird überall auf neue Weis', es wird bei uns, im Zeller
Gericht keine Ausnahm' gemacht werden können!“

„Ein schlechter Trost! Hilft uns der Pfleger nicht, so helfen wir uns selber! Den Teufel lassen wir gleich gar nicht herein, und mit uns supplizieren noch mehrere Gerichte! Sell' wird der Erzbischof schon dann merken!“

Nochmals mahnte Vogel: „Nehmt Vernunft an, Leute! Ich rat' Euch nicht dazu, Ihr werdet schlechten Bescheid bekommen! Wie die Sachen liegen, wird die Supplikation für Rebellion angesehen, Ihr für rebellisch gehalten werden!“

„Sell' sollen sie halten, wie sie wollen! Wir vom Volk haben ein Recht, den Landesherrn um Genade zu bitten, und selles Recht darf uns der Steuerteufel nicht verkümmern!“

In seiner Sorge rief Vogel, ohne viel zu überlegen: „So reicht das
Gesuch ein, aber in aller Demut! Der Fürst verträgt kein ander Wort!“

Die Bauern drangen nun in den Pfleger, auf daß er ihnen ein solches Gesuch aufsetze, und Rieder versicherte auf das bestimmteste, daß noch andere Gerichte sich zum Anschluß an die Zeller Bittschrift bereit erklärt hätten.