Still verließ Wolf Dietrich das Gemach, und erst nachdem er die Flucht
mehrer Räume hinter sich hatte, trat er wieder fest auf nach seiner
Gewohnheit, und der Hauch inniger Zärtlichkeit verschwand von seinen
Zügen.

In seinen Wohngemächern angelangt, wollte der Fürst eben fragen, ob niemand aus der Stadt sich eingefunden, die Glückwünsche auszusprechen zum erfreulichen Ereignis bei Hof, da ward Graf Lamberg gemeldet und sogleich vorgelassen.

Das höfische Ceremoniell Lambergs schnitt Wolf Dietrich sofort ab durch den Ruf: „Freund, du bist der erste Gratulant, nimm meinen und Salomens Dank dafür! Herzlich willkommen!“

„Es ist des treue Unterthanen Pflicht, dem gnädigen Fürsten die Glückwünsche zu Füßen zu legen!“ sprach Graf Lamberg ehrerbietig und verbeugte sich tief vor dem Gebieter.

„Sei meines innigen Dankes überzeugt, Freund Lamberg! Mir ist's eine freudige Genugthuung, just dich bei mir zu sehen! Von Salzburgs Bürgerschaft, vom Adel auch, hat niemand eingefunden sich, ich habe keine Meldung!“

„Hochfürstliche Gnaden wollen Geduld üben! Die Kunde wird zu sehr überrascht haben die getreuen Unterthanen, sie fassen es nicht, es wird klar erst werden müssen in den Köpfen, dann wird wohl der Glückwunsch kommen an den Hof.“

Ein forschender Blick flog zu Lamberg, gedehnt klang des Fürsten Frage:
„Glaubt Lamberg wirklich?“

Der Kapitular antwortete vorsichtig: „Es wäre Pflicht nur und schuldige
Dankbarkeit!“

„Ha, Dank! Und mit den Pflichten wird genau es nicht genommen! Der
Beispiele sind viele, die das Gegenteil beweisen! Sei's drum! Urkunden
will ich in nächster Zeit, daß tragen soll der Sproß den Namen Wolf
Raittenau.“

Lamberg wagte nun seinerseits den forschenden Blick auf den Gebieter zu richten, sprach aber nichts.