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Still fallen draußen die Schneeflocken hernieder; es ist völlig windstill, totenruhig am einsamen Bühl und weit und breit kein Lebewesen. Doch aus dem Tann keucht eine dunkle Gestalt herauf, sich zeitweilig vergewissernd, daß niemand der frischen Fährte im Neuschnee folge. Der Mann nimmt die Richtung zum Wirtshaus und stapft quer über die Bühlhalde, hastig, als fürchte er just die letzte Strecke. Und endlich vor dem Hause stehend, wartet der nächtliche Wanderer nicht erst, bis der hochgehende Atem sich beruhigt, er klopft dreimal stark an die Thür und erneuert das Pochen, als alles still im Hause bleibt. Endlich regt sich etwas, ein schlürfender Schritt wird hörbar, und gedämpften Tones fragt der Wirt hinter der verriegelten Thüre, wer Einlaß fordere.

„Im Namen der seligsten Jungfrau Maria, mach' uf!“ ruft der Mann. Jetzt öffnet Peter und läßt den nächtlichen Besucher ein und macht in der dumpfen Gaststube Licht, bei dessen Aufflackern der Wirt den Hottinger von Herrischried erkennt. „Bi Gott, du bisch selber! Was bringsch du? Hescht 'n Ägidi troffe am Rhi? Was seit er?“

Hottinger fordert zunächst Labung, ein christlich gemessenes Schöppli, und erst als der Wein vor ihm auf dem Tische steht und Hottinger sich durch einen tüchtigen Schluck gestärkt, vermeldet er flüsternden Tones die Botschaft, dass Ägidi richtig in Basel beim Advokaten gewesen sei und einen österreichischen Oberst[11] gesprochen habe.

Unwillkürlich fährt Peterle auf, in höchster Spannung fragt er, was der
Österreicher gesagt habe.

Der Oberst habe — so fährt Hottinger fort — versichert, mit dem Österreichischwerden sei 's augenblicklich nichts, es ginge demnächst gegen die Franzosen, doch sei einstweilen der Accis aufgehoben.[12]

„Was seist?“

„Jo, sell hat er gseit, der österreichische Obrist, und Ägidi hat gseit, ich soll dir's noch heut Nacht vermelde. Und wil der Jobbeli nit in Herrischried gsi isch, bin ich selber chome!“

Peter ist ganz Feuer und Flamme; die Kunde von der Accisaufhebung erregt ihn in hohem Maße. Er denkt nicht weiter über die Wahrscheinlichkeit der Meldung nach; die Kunde klingt wie Sphärenmusik, sie wird die Säumigen, die Ängstlichen aufrütteln und in die Arme der Bruderschaft führen. Die Salpeterersache wird aufs neue aufblühen. Den Accis wird man rundweg verweigern und Chriesi (kleine Waldkirche) brennen frei, ohne Steuer, und wenn's der Regierung nicht recht ist, soll sie's nur sagen, die Salpeterer werden ihren Mann stellen. In diesem Sinne spricht sich Peter aus und fragt sodann, ob Ägidi als Führer besondere Verhaltungsmaßregeln gegeben habe.

Hottinger erzählt, daß Ägidi befohlen habe, es solle heimlich alles sich bewaffnen und die Kunde vertraut von Mund zu Mund getragen werden. Der Accis soll rundweg verweigert, der Accisor dort, wo er grob wird, hinausgeworfen werden. Es gelte diesmal ernstlichen Widerstand zu leisten. Die Bewaffneten werde Ägidi's Sohn, der Magnus führen, dem die Salpeterer gehorchen sollen. Weitere Kunde werde erfolgen, worauf losgeschlagen werden soll.