Unter tiefen Bücklingen versichert der Dorfchef: Wer zu den „Halunken“ gehöre, werde selber kommen; die Rekrutenaushebung sei allenthalben bekannt gemacht. Von den Salpeterern aber werde nicht einer kommen!
„Dann holen wir die Kerle!“
„Mit Verlaub! Da isch nüt ze hole! Die Büebli sin alle marsch us, fort!
Die heutige Nacht hat's bewiese!“
„Tod und Teufel, dann sind wir vergebens heraufgekommen!“ flucht der
Major.
„Doch nit, Ew. Gnaden! Von den Halunkenbueben wird jeder chome und sin
Pflicht genüge!“
„Wer wird kommen?“
„Die Buebe von den Halunken!“
Verwundert beguckt der Major den Ortsvorsteher, ihm klingt es nahezu spanisch, daß die Halunken sich fügen und Soldaten werden wollen, während die anderen flüchtig gegangen sind. Der landkundige Zivilkommissär giebt indes die nötige Aufklärung, worauf der Kommandeur die Mannschaft wieder austreten und ihr vom „Ochsen“wirt die Morgensuppe reichen läßt.
Gegen neun Uhr soll das Aushebungsgeschäft beginnen. Neugierig ob der kommenden Dinge stehen die Hartschiere umher, und von Luken und Fenstern gaffen die Dorfdirnen herunter. Selbst auf die Gasse herunterzukommen, wagen sie nicht, denn sie fürchten die rauhen Soldaten.
In einer Stube des Wirtshauses harrt die Kommission der männlichen Dorfjugend und der Burschen aus den Einöden des hintersten Waldes. Allmählich trottet einer, zwei davon an, zaghaft, scheu und tief das Hüetli lüpfend vor den Hartschieren, die den Weg weisen zur gefürchteten Kommission. „Behalten“ wird natürlich jeder, so er nicht Krüppel ist, denn die stürmische Zeit verlangt möglichst viel Kanonenfutter. Noch riesig lang ist der Zettel mit den Namen der auszuhebenden Burschen, und grimmig überfliegt der Major immer wieder die Namen der Fehlenden. Eine Bewegung unter den Herren ist wahrnehmbar, aller Augen sind auf die Thür gerichtet, durch die mit tiefen Bücklingen der alte Biber tritt. Die Leutnants flüstern sich Witzworte über den „alten Rekruten“ zu, gespannt blickt der Major auf den Alten und fragt ihn dann barsch, was dessen Erscheinen vor der Kommission zu bedeuten habe.