„Keine Idee! Wir haben nur wenig Raubzeug, also ist das Schußgeld minimal! Jedes Sechserl braucht man denn doch nicht dem Finanzamt auf die Nase zu binden!“

„Glaubst du, daß es unter der neuen Herrschaft größere Trinkgelder geben wird?“

„Nix für ungut, Weiberl! Aber was du eben gesagt hast, das ist höheres Blech! Ich bin als Forstwart Beamter, der selbstverständlich kein Trinkgeld annimmt! Jagdgehilfen halten die Hand hin, so Jagdgäste Weidmannsheil gehabt haben! Niemals aber die Beamten!“

„Na, na! Mit dem ‚fürstlichen‘ Einkommen von tausendachthundert Silberlingen brauchst die Nase nicht gar so hoch zu tragen! Eine Aufbesserung, egal von welcher Seite sie kommt, wäre hocherwünscht als Zuschuß zu dem viel zu knappen Wirtschaftsgeld!“

„Ah, so lauft der Has! Tut mir leid, aber das Haushaltsgeld kann ich beim besten Willen nicht erhöhen! Mußt schon schauen und trachten, daß du damit auskommst! So, müd, krachmüd bin ich, freu mich auf das Bett! Gehst auch schlafen?“

„Ich werd noch ein bisserl lesen! Gute Nacht, Beni!“

„Gute Nacht, Weiberl!“ Benjamin trat zur Gattin und gab ihr den Gutenachtkuß, den Amanda kaum erwiderte. „Nix für ungut, wenn ich schon schlafe, wenn du kommst!“

„Orgle nur zu! Gute Nacht!“

Horchend blieb Amanda am Tische sitzen. Sie holte geräuschlos das sie so mächtig interessierende Zeitungsblatt aus der Kommode hervor, als kräftige Gutturaltöne die Gewißheit gaben, daß der Gatte schlief. Wieder las die Frau den kurzen Artikel, dessen Inhalt ihre ganze Denkkraft, ihr Sinnen und Streben in Anspruch nahm, ihre Zukunft gründlich umgestalten wird und muß.

Wie Amandas schöne Augen aufleuchteten bei dem Gedanken, die in dem Artikel angedeutete Reform durchzuführen! Zunächst in ihrer Ehe! Dann aber soll dafür gesorgt werden, daß die Wohltat der Reform auch anderen Hausfrauen zuteil werde! Nötigenfalls wird die Neuerung im ehelichen Haushalt erkämpft werden... Amanda wird einen Frauenbund gründen. Der früheren Lehrerin, ihrer Intelligenz und Geistesschulung gebührt selbstverständlich der Vorsitz. Eine große Mission harrt ihrer, und ihr Leben wird einen neuen Inhalt erhalten und lebenswert werden.