Die Rede Bebels war allerdings etwas heftiger Art. Sie unterscheidet sich von gewöhnlichen Tischreden durch Drohungen und Betrachtungen, welche furchtsame Ohren erzittern machen. ‚Krieg den Palästen!‘ klingt etwas ungewöhnlich. Bei einem solchen Ausruf wird bekanntlich vorzugsweise jeder unruhig, der kein Palais besitzt, sondern zur Miete wohnt. Der Palastbewohner von Berlin pflegt sich auf seinen Portier zu verlassen, der sich im Falle mit verdächtigen Besuchern herumbalgt, bis der Schutzmann erscheint und die Uebelwollenden zur Wache führt.

Bebel rief: Krieg den Palästen! Er setzte allerdings hinzu: Friede den Hütten! Das aber ist kein Balsam für das blutende Herz einer Mutter von acht Söhnen…. Friede den Hütten! Was will das sagen?

Es gibt vor allen Dingen gar keine Hütten mehr. Man baut nur noch drei-, vierstöckige Häuser. Wo steht in Berlin eine Hütte? Mit Hüttenfrieden ist wenigen gedient, und Bebel kann ihn versprechen, wie er auch allen, welche Sandalen tragen, Steuerfreiheit versprechen könnte. Steuerfreiheit ist nicht übel, aber wer trägt heute Sandalen?

Mittags hatte Bebel seine Brandfackel zu Protokoll gegeben, abends
trafen wir ihn in einem Verein.

Dieser Verein treibt keine Politik, sondern anderen Unsinn. Man kürzt
sich die Zeit mit allerlei Gesprächen und Bieren.

Man denke sich einen robusten Mann mit rötlichem Haar und
energieträchtiger Nase — das ist Bebel nicht!

Bebel ist eine zierliche Erscheinung. Aus einem hübschen Gesicht strahlen Augen, welche gewiß schon viele Frauenherzen auf dem Gewissen haben. Aber Bebel ist kein Don Juan. Er ist solide, sogar philiströs, am allerwenigsten kokett, hauptsächlich bescheiden. Wir haben bemerkt, daß er das Feuerzeug weit wegschob, weil ihn der Schwefelgeruch augenscheinlich belästigte.

Und nun fragen wir jede Mutter, ohne von jeder acht Söhne zu
beanspruchen, wir fragen jeden Berliner Junggesellen, Verlobte, Väter,
Großväter: Sieht Bebel, welchen man nach seiner Rede für den deutschen
Haus- und Gebäude-Nero halten möchte, wie seine Rede aus? Wir boten
Bebel eine Zigarre an.

Ich rauche nicht! sagte Bebel elegant abwehrend.

Sollen wir noch etwas zur Beruhigung der Haupt- und Residenzstadt anführen? Bebel raucht nicht. Bebel zündet keine Zigarre an — und er sollte Paläste anzünden?