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In meiner Erinnerung taucht der britische Oberst auf, der mir in Kalkutta sagte: Dreimal bin ich hierher nach Indien kommandiert worden. Vor fünfundzwanzig Jahren als Leutnant: — damals standen die Russen fünfzehnhundert Meilen von der indischen Grenze entfernt. Dann als Kapitän vor zehn Jahren: — und damals standen die Russen nur noch fünfhundert Meilen entfernt. Vor einem Jahre als Oberstleutnant: — die Russen stehen unmittelbar vor den Pässen, die nach Indien führen.
Die Weltkarte entfaltet sich vor meinen Blicken.
Alle Meere durchpflügt von den Kielen britischer Kriegsschiffe, alle Küsten besetzt mit Kohlenstationen und Festungen der britischen Weltmacht. Die Herrschaft über den Erdkreis ist bei England, und England will sie behalten, es kann nicht dulden, daß der russische Koloß Leben und Bewegung aus dem Meere trinkt.
„Ohne Englands Erlaubnis darf keine Kanone auf dem Meere abgefeuert werden,“ sagte einst William Pitt, Englands größter Staatsmann.
Seit langen Jahren wächst England empor durch den Zwiespalt der kontinentalen Mächte unter sich. Fast alle Kriege seit Jahrhunderten sind zum Vorteil Englands geführt, fast alle von England angestiftet worden. Nur als der Genius Bismarcks über Deutschland wachte, besann der deutsche Michel sich auf seine Kraft und kriegte für sich selbst.
Soll es dahin kommen, daß Deutschland Luft und Licht und das tägliche Brot nur noch der Gnade Englands verdankt? Oder lebt noch die alte Kraft in Michels Armen?
Werden die drei Mächte, die im Vertrage von Schimonoseki nach dem Siege Japans über China zusammenstanden, um Englands Pläne zu vereiteln, werden Deutschland, Frankreich und Rußland noch länger müßig bleiben, oder werden sie sich zu gemeinsamem Handeln die Hände reichen?