Er war überrascht von dem Ausdruck der Verachtung, den das schöne Gesicht der jungen Frau bei seinen letzten Worten angenommen hatte, und von dem harten Klang ihrer Stimme, da sie erwiderte:

„Der Gedanke an mich? Ah, wie wenig Sie meinen Mann kennen! Er ist nicht gewöhnt, um meinetwillen irgend welche Opfer zu bringen. Und vielleicht wäre sein freiwilliger Tod nicht einmal das Schlimmste, was er mir hätte antun können.“

Sie sah wohl die Bestürzung in seinen Zügen, und deshalb fügte sie rasch hinzu:

„Sie werden mich gewiß für das herzloseste Geschöpf halten, weil ich so zu einem Fremden sprechen kann. Aber gilt nicht auch in Ihrem Lande der Verlust der Ehre für schlimmer als der Tod?“

„Unter gewissen Umständen — ja. Aber so tragisch ist die Lage Ihres Gatten hoffentlich nicht zu nehmen. Nach dem Eindruck, den ich bisher von der Persönlichkeit des Kapitäns Mc. Gregor empfangen habe, ist er nicht der Mann, der Mr. Irwin um einer leichtsinnig eingegangenen Spielschuld willen zum Aeußersten treiben wird.“

„O nein, Sie beurteilen diesen Ehrenmann vollkommen richtig. Er würde am liebsten ganz auf die Zahlung verzichten. Und in der Absicht, ein derartiges Arrangement herbeizuführen, war er heute nachmittag hier. Aber der törichte Stolz, die maßlose Eitelkeit Irwins machten alle seine guten Absichten zu schanden. Das Ergebnis von Mc. Gregors gut gemeinten Bemühungen war einzig eine heftige Szene, durch die die Sache nur noch mehr verschlimmert wurde. Mein Mann ist entschlossen, seine Schuld um jeden Preis zu bezahlen.“

„Und — verzeihen Sie die indiskrete Frage — ist er dazu imstande?“

„Wenn er sich meines Vermögens bedient — gewiß! Und ich habe es ihm ohne weiteres zur Verfügung gestellt. Ich habe ihm gesagt, daß er alles bis auf den letzten Penny nehmen möge, wenn dieses Opfer ausreichend sei, mich für immer von ihm zu befreien.“

Heideck wußte kaum, ob er seinen Ohren trauen dürfe. Auf nichts in der Welt war er weniger vorbereitet gewesen, als darauf, solche Geständnisse zu empfangen. Er fing an, irre zu werden an dieser Frau, die ihm bisher der Inbegriff aller weiblichen Vollkommenheit gewesen war. Und er suchte nach einer Gelegenheit, weiteren Enthüllungen vorzubeugen, die sie seiner Ueberzeugung nach schon in der nächsten Stunde bereut haben würde.

„Niemand kann von Ihnen verlangen, Mrs. Irwin, daß Sie für eine sträfliche Leichtfertigkeit, für eine vielleicht im halben Rausch begangene Uebereilung Ihres Gatten ein so ungeheures Opfer bringen. Aber da Sie mich einmal der Ehre gewürdigt haben, mit mir über diese Dinge zu sprechen, so ist es vielleicht nicht unbescheiden, wenn ich Ihnen sage, daß es meiner Ansicht nach das richtigste wäre, Ihren Mann die Folgen seiner Handlungsweise tragen zu lassen. Sie brauchen wohl kaum zu fürchten, daß diese Folgen allzu schlimm sein werden. Mc. Gregor wird ihn gewiß nicht drängen. Und da wir unmittelbar vor dem Ausbruch eines Krieges zu stehen scheinen, gehen auch seine Vorgesetzten in diesem Augenblick wegen dieser Angelegenheit wohl nicht allzu streng mit ihm ins Gericht. Er wird vielleicht Gelegenheit haben, sein erschüttertes Ansehen durch soldatische Verdienste wieder gut zu machen oder den Tod auf dem Schlachtfelde zu suchen. In einigen Wochen oder Monaten werden alle diese Dinge, die Ihnen jetzt so viel Sorge verursachen, ein ganz anderes Gesicht zeigen.“