Die Gefangenen sahen indessen dem Treiben um das Feuer zu. Augenscheinlich war eine Schar von Schwarzen erst vor kurzem von einem Raubzuge zurückgekehrt, denn es wurde ein Mahl zugerüstet, obwohl es schon spät in der Nacht war. Wohl fünfzig bis sechzig schwarze Gestalten waren um das Feuer und in dessen Nähe beschäftigt und glichen in dem roten Schein einem Heer von Teufeln. Dieser wilde Eindruck ward noch durch die Art ihrer Beschäftigung erhöht. Sie holten aus einer Abteilung der großen Höhle, welche seitwärts im Dunkel lag, von vielen dumpf brüllenden Ochsen ein fettes Tier heraus und führten es in die Nähe des Feuers. Dann rissen sie das Tier zu Boden, wälzten es auf den Rücken und banden ihm einen Strick an jeden Fuß. Diese Stricke zogen sie an, so daß die Beine so weit als möglich auseinander gebogen wurden, und pflöckten sie an kurzen Pfählen in den Boden, so daß der Ochse ganz unbeweglich liegen mußte. Alsdann trat ein Schwarzer mit einem blinkenden Messer heran und schnitt mit einem Zuge den Leib des Ochsen in der Mitte auf, ohne daß mehr als nur einige Tropfen Blutes vergossen wurden. Dann nahm er mit Hilfe eines andern Mannes die Gedärme heraus und übergab sie mehreren Weibern, welche sie in einem großen Kessel wuschen und alsbald ans Feuer setzten, damit sie gegessen würden, während der Ochse noch lebte. Während dessen rührten die Männer mit Stäben das in der Bauchhöhle zusammenfließende Blut um, so daß es nicht gerann, und warteten ab, daß das Tier, dessen Herz und andern edlen Teile noch lange in Bewegung blieben, völlig sterben würde. Die Kaffern standen aufmerksam umher und verwandten kein Auge von den sich bewegenden Organen.

»Das sind geschickte Metzger,« sagte der Engländer zu Pieter Maritz, während er einen Blick des Abscheues auf die Scene richtete. »Unsere Metzger in London könnten von ihnen lernen. Aber ich wünschte, daß diesen schwarzen Teufeln selber der Leib aufgeschlitzt würde.«

Pieter Maritz erwiderte nichts. Er kannte die Manier der Kaffern schon lange.

Während nun aber die Schwarzen anfingen, mit großen Löffeln das Blut aus der Bauchhöhle herauszuschöpfen und in einen Kessel zu füllen, näherte sich den Gefangenen ihr Führer wieder und forderte sie auf, ihm zu folgen. Der Lord stützte sich auf des Knaben Schulter, um besser gehen zu können, und beide gingen an dem von jubelnden und tanzenden Schwarzen umgebenen Feuer vorbei in den Hintergrund der Höhle.

Hier war ein Kreis von Männern versammelt, die ernst und schweigend auf ihren Fersen hockten und, wie es schien, einen bevorzugten Rang einnahmen, indem sie sich nicht an dem gemeinsamen Fest am Feuer beteiligten und auch besser gekleidet waren als die große Schar. Sie waren von sehr verschiedener Hautfarbe und Gesichtsbildung, so daß sie leicht als verschiedenen Stämmen angehörig zu erkennen waren. Einige waren braunrötlich, andere tiefschwarz, und sowohl die gebogene Nase des Kaffern wie die eingedrückte Nase des Hottentotten war hier vertreten. Sie trugen sämtlich schöne Mäntel von Tiger- und Pantherfellen und waren mit glänzenden Hals- und Armbändern geziert. Alle hielten Pfeifen in der Hand, aus denen sie Tabak rauchten, und sie tranken dazu abwechselnd aus einer großen Flasche, die in ihrer Mitte stand, ein Getränk, welches Pieter Maritz am Geruche schon als Arrak erkannte.

Unter ihnen allen der Vornehmste war aber offenbar ein schon bejahrter Mann, der auf einer Art von Ruhebank lag, die mit Löwenfellen bedeckt war. Er war von sehr glänzender Hautfarbe, von einem Braun, welches dem des gerösteten Kaffees glich, und seine Haare waren stark mit Grau gemischt. Seine kohlschwarzen Augen waren unruhig und durchbohrend, seine Nase war breit, doch nicht platt gedrückt, der Mund vorstehend, mit aufgeworfenen Lippen, doch nicht so sehr, daß seinem Gesicht ein tierischer Zug verliehen worden wäre. Im Gegenteil hatte es einen klugen Ausdruck, denn Augen und Stirn beherrschten den unteren Teil. Dieser Mann trug eine Art von Tunika oder kurzem Gewand von weißer Wolle mit ganz kurzen Ärmeln, die nur eben die Achseln bedeckten, und an seinen muskulösen Armen glänzten breite goldene Ringe. Um den Hals trug er eine Kette von Löwenzähnen, die mit Golddraht zusammengehalten wurden, und ein Mantel von Löwenfell hing über seinen Rücken hinab. Um den Leib trug er einen Gurt von gesticktem Leder, an welchem ein Hirschfänger von europäischer Arbeit und außerdem ein kleines Messer mit Perlmutterschale steckten. Er stand auf und blieb vor seinem Sitze stehen, als die Gefangenen ihm vorgeführt wurden; diese sahen mit Überraschung, daß der Gebieter der großen wilden Schar nur von einer Statur unter Mittelgröße war.

Mit drohendem Blicke musterte er den blassen Jüngling in dem zerrissenen Scharlachrock und den Knaben mit den blonden Locken und schüttelte gegen sie die erhobene rechte Faust, so daß die goldenen Armbänder klirrten. Dann rief er in holländischer Sprache, die er vollkommen gut redete: »Ihr seid in die Höhle des Löwen geraten, Söhne der treulosen und grausamen weißen Menschen! Bereitet euch zum Tode, ihr seid in der Macht des Titus Afrikaner!«