»Natürlich,« erklärte der Tuchmacher; »sowie sich ein Besuch auf dem Vater Abraham zeigt, muß sich Aschenbrödel in der Küche verkriechen. Sie würde schön ankommen, wollte sie sich als schwarze Henne unter den bunten Küchlein der Frau Mama zeigen. Aber sie ist es, die eigentlich das ganze Haus erhält, denn das müßt Ihr doch selbst zugeben, daß die Schichtmeisterin, wenn sie eine Wirthin sein wollte, nicht mehr Staat treiben würde, wie eine Bergmeisterin!«

»Nun, wer weiß,« unterbrach der Zinngießer den Sprecher, »wer weiß, ob sich der Schichtmeister nicht besser steht wie unser Bergmeister. Der Vater Abraham hat schönes Erz, und wer kann einen Schichtmeister, der auf seiner Grube wohnt, so genau –« hier stockte der Redner; ein Blick auf das Gesicht des Gelbgießers machte ihn verstummen. Doch dieser rief schnell: »Was wolltet Ihr sagen, Nachbar Paul? Redet weiter, was meint Ihr? Bedenkt, daß ich Kuxinhaber vom Vater Abraham bin, und mich das sehr nahe angeht, was Ihr da auf der Zunge hattet!«

»Ich hab's verschluckt und vergessen,« sagte der Zinngießer; »Ihr wißt ja, Nachbar Mickley, es kommt Einem manchmal ein überzwercher Gedanke in den Mund. Ich weiß nichts, will nichts wissen und glaube, daß der Schichtmeister Frenzel ein wackerer Mann ist, wie Ihr selbst ihn nanntet.«

»Bis jetzt,« erwiederte der Gelbgießer, »hat seine Gewerkschaft alle Ursach' gehabt, mit ihm zufrieden zu sein, und er gilt allgemein als der tüchtigste Grubenbeamte im ganzen Revier. Aber es ist eine böse Zeit, man darf fast seinem Bruder nicht mehr trauen, und was Ihr da angedeutet, will ich mir hinter die Ohren schreiben.«

»Aber Nachbar Mickley,« sagte der Zinngießer fast ängstlich, »seid doch nicht so wunderlich! Ich habe gar nichts angedeutet, gar nichts. Euer Schichtmeister ist gewiß ein wackerer Mann, kein Mensch kann wider ihn auftreten, auch der Nachbar Kunz nicht. Gewiß, Nachbar Kunz, behauptet Ihr nicht im Ernst, daß es mit den Schichtmeistersleuten so übel stehe, wie Ihr vorhin sagtet.«

»Oh! was ich gesagt hab', das hab' ich gesagt,« versetzte der Tuchmacher, »wollt Ihr einen kleinen Beweis für meine Worte sehen, so schaut in mein Contobuch, da steht noch ein alter Rest von zehn Thalern, um den ich schon zehnmal umsonst gemahnt habe. Aber jetzt ist meine Geduld zu Ende, und wenn ich morgen mein Geld nicht habe, geht's vor Gericht!«

Das ganze Gespräch war von dem jungen Bergmann, der unter der Brodbänkenthür stand, mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt worden. Mehrmals hatte sein Gesicht den Ausdruck heftigen Unwillens angenommen, und bei den letzten Worten des Tuchmachers geschah dies wieder. Er fuhr hastig in seinen Kittel und zog ein Perlbeutelchen hervor, dessen Inhalt er überzählte. Ach! es war viel, viel zu wenig, um die Schuld seines Vorgesetzten zu decken. Er besann sich aber nicht lange; er steckte seine Börse wieder ein und eilte nach der Spar-Casse. Der Geschäftsführer derselben wunderte sich nicht wenig, daß sein treuester Sparkunde heute Geld entnehmen wollte, statt welches einzulegen; aber es half nichts, er mußte dem drängenden Häuer acht blanke Thaler auszahlen. Mit diesem Zuschuß zu seinem heutigen Lohn verfügte dieser sich nach dem Gewölbe des Gelbgießers, wo die drei Bürger noch immer beisammen standen und jetzt neue Glossen über die Schichtmeisterin machten, die mit ihren zwei ältesten Töchtern in einen Goldschmiedsladen getreten war.

»Ist hier nicht der Meister Kunz?« fragte Ferdinand, zu dem Kleeblatt tretend, nachdem er nicht unterlassen hatte, sein Glückauf! zu bieten.