»Er ist ja ein halber Pastor!« rief der Gelbgießer aus; »na, so lassen wir den Schnapps! Also Er ist auf der Bergschule – sagte Er nicht?«

»Ich wohne bei meiner Mutter in Pobersdorf und fahre auf dem Vater Abraham an, besuche aber die Bergschule seit zwei Jahren.«

»Und da kommt Er alle Tage anderthalb Stunden weit herein in die Stunden? Das macht jeden Tag drei Stunden Wegs um eine Stunde Unterricht!«

»Was kann es helfen,« erwiederte Ferdinand, »in der Stadt ist theuer leben, dazu reicht das Häuerlohn nicht aus.«

»Und von der Grube wohnt Er auch eine Stunde entfernt; da hat Er täglich einen Marsch von 5 Stunden zu machen. Dazu kommt die saure Grubenschicht von 8 Stunden, das thut 13 Stunden täglich, mit der Schule 14 – da bleibt Ihm ja gar keine Zeit zu einem Ueberwerk!«

»Freilich nicht; – nun, ich richte mich mit meiner Mutter ein, und da wir eigne Herberg haben und eine Kuh im Stall, so kommen wir schon aus. Freilich, der Fleischtopf steht bei uns immer weit vom Feuer, aber dafür hat's uns noch kein Jahr an den lieben Kartoffeln gefehlt. Uebrigens leb' ich mit meinen Kameraden in der guten Hoffnung, daß unsere Herren Gewerken uns bald auch zu einem wenig Fleisch helfen werden, da der Vater Abraham neuerdings so höflich geworden.«

»Höflich?« versetzte Meister Mickley, – »es geht wahrlich an mit der Höflichkeit. Es ist wahr, es hat in den letzten Quartalen einige Ausbeute gesetzt; aber lieber Freund, Er bedenkt wohl nicht, daß wir Gewerken viele Jahre nicht einen Heller von unsern Kuxen gehabt, ja gar einmal Zubuße gezahlt haben.«

»Aber die ist doch gewiß längst reichlich wieder erstattet, und nach meiner Ansicht muß es in der letzten Zeit eine ansehnliche Ausbeute gesetzt haben.«

Der Gelbgießer sah den Sprecher scharf an; dann ging er an sein Schreibpult und brachte ein Schreiben zum Vorschein, welches er dem Knappen vorlegen wollte, aber erst noch einmal zurückzog, indem er den jungen Mann fixirend fragte: »Wie hoch schätzt Er ungefähr die Ausbeute vom Vater Abraham auf das letzte Quartal? Ich will einmal sehen, ob Er schon einen tüchtigen Steiger abgäbe, wenn unser alter Meier bergfertig würde. Er muß wissen, daß ich vier Kuxe baue und im Ausschusse der Gewerken sitze, also ein Wörtlein mitzureden habe, wenn es eine Stelle auf dem Abraham zu besetzen giebt. Ich will einmal sehen, ob Er schon ein wenig Erz zu taxiren versteht. Laß Er hören!«