»Seiner Frau, wollen Sie sagen,« versetzte Ferdinand, »denn der Schichtmeister selbst ist ein schlichter Mann, nur leider zu gut gegen seine Frau. Allerdings ist das für einen Schichtmeister eine sehr theure Ehehälfte.«
»Zumal jetzt,« fiel der Gelbgießer ein, »wo sie Schwiegermutter eines Barons wird. Es ist ja übertrieben, was die Frau zusammenkauft – borgt, wollt' ich sagen; aber später oder früher muß es doch einmal bezahlt werden. Wovon aber? he? etwa von dem da?« Er deutete auf die Stufe.
Ferdinand erschrak – »Herr Mickley!« rief er, – »Sie thun unserm Schichtmeister Unrecht.«
»Ich sage nicht, daß er schon auf solche Art gezahlt hat, aber es kann dazu kommen; Schulden und Schuld und Schuft – es ist nur ein Unterschied von wenig Buchstaben, gewöhnlich geht's vom ersten zum letzten.«
»Aber nicht Jeder, der Schulden hat, ist oder wird ein Schuft.«
»Das sag' ich ja nicht, ich habe selbst einen Schuldner, einen Poeten, der hier die Schule besuchte; ein strebsamer, offener Kopf, aber armer Teufel, der hinter dem Webstuhl verkommen wäre, hätte er keine Schulden machen wollen. Nun, er hat als Student und Poet mehr Schulden machen müssen, als ich zu bezahlen haben möchte; aber er ist darum doch eine grundehrliche Haut und wird's auch bleiben, denn bei allem hohen Geist hat er ein demüthiges Herz. Aber wo Schulden eine Frucht der Hoffart und des Uebermuthes sind, da hat der Teufel sein Spiel.«
»Für den Schichtmeister bin ich gut,« sagte Ferdinand warm, »und was die Frau betrifft, so hab' ich helle Augen, und wäre ich auch blind, so würde kein Häuer, kein Hundejunge ihr zu einem Unterschleif behülflich sein, drehte es sich auch nur um eine Bleiglanzstufe wie ein Daumenglied groß.«
»Nun, ich will Ihm glauben,« sagte der Gelbgießer, – »eine sonderbare Sache bleibt es mit der Stufe, – aber es läßt sich vor der Hand nichts damit machen. Ein Glück, daß wir jetzt einen tüchtigen Steiger haben, – der alte, – na, man soll die Todten ruhen lassen. – Seh' Er nur wacker zum Rechten, – es wird Sein Schade nicht sein. Da fällt mir noch etwas ein. Neulich wurde im Ausschuß die Frage aufgeworfen, ob es nicht gut wäre, den alten Schacht wieder einmal zu untersuchen, es könnten die bösen Wetter wohl gewichen sein. Vor Jahren wurde schon einmal ein Gutachten darüber von unserm Schichtmeister verlangt. Der fand den Versuch nur unter der Bedingung möglich, daß wir einen neuen Stollen zur Wetterlosung vom Höllengrund aus treiben ließen. Das war und blieb uns ein zu kostspieliges Unternehmen. Jetzt wollen wir den Schichtmeister geradezu mit der Untersuchung beauftragen, weil wir glauben, bei gehöriger Vorsicht sei die Sache nicht nothwendig lebensgefährlich. Einen gemeinen Bergmann hinabzulassen, wie es vor Zeiten geschehen, das würde wenig nützen. Gesetzt aber, der Schichtmeister lehnte den Auftrag ab, was dem Vater einer so zahlreichen Familie Niemand verdenken könnte, hätte Er wohl den Muth, das Wagstück zu unternehmen?«
»Wenn mir's befohlen wird, – ja!« erklärte Ferdinand fest, »aus bloßem Vorwitz wär' es wohl strafbar, aber bei Erfüllung einer Pflicht giebt man sich in Gottes Hand. Da muß ja jeder Bergmann täglich sein Leben wagen!«