»So vertritt mein alter Freund von gestern also doch Vaterstelle bei Ihnen. Wie ist es, muß ich mir seinen Beistand erbitten, oder verzeihen Sie mir so?«
»Ich habe ja nichts zu verzeihen.«
»Wohlan, Ihre Hand! O welche allerliebste kleine Hand! Man sollte nicht meinen, daß sie solche Arbeit verrichten könnte.«
»O Sie sollen gleich sehen, ob sie's kann; geben Sie mir nur die Sense!«
Er behielt sie jedoch und schickte sich an, eine Schwade zu hauen.
»Um Gotteswillen!« schrie das Mädchen, ihm in den Arm fallend, »so hauen Sie sich ja die Zehen weg.« Und nun nahm sie die Sense und zeigte ihm, wie man sie führen müsse.
Dem Allen mußte der gute Bretschneider von seiner Bretmühle aus zusehen, und ihm war, als ob die kreischende Säge hinter ihm mitten durch sein Herz schnitt. Jetzt – das sah er ein – war es die höchste Zeit, sein Schäfchen ins Trockene zu bringen, sonst war es für ihn verloren. Er eilte stracks hinüber in die Mühle, um mit seinem Herrn ein ernstes Wort über die Heirathsangelegenheit zu reden. Leider war der Müller ausgegangen und Fritz mußte sich gedulden bis Mittag. Als er wieder über den Hof ging, begegnete ihm die von der Wiese zurückkommende Kordel. Er sah sie mit einem traurigen und doch so innigen Blick an, daß er ihr durch die Seele drang. Jetzt hätte er dreist sein und sein ganzes Herz vor ihr bloß legen sollen; gewiß, sie hätte ihm nicht widerstanden, und wenn sie einmal Ja gesagt, da wäre sie ihm auch treu geblieben, und es wäre ganz anders geworden mit dem armen Fritz – aber auch mit ihr. Allein er seufzte blos, und ging zu seiner Säge – mit der konnte er um die Wette seufzen.