Ein junger Mann mit gebräuntem Gesichte und einem großen vollen Barte sah das hübsche Mädchengesicht – rasch trat er einen Schritt seitwärts aus dem Gliede, streckte die Hand aus und trommelte eine Secunde mit den Fingern an der Stelle der Fensterscheibe, wo sich Kathi's Gesicht zeigte.
Mit einem unterdrückten Schrei der höchsten Ueberraschung oder des Schreckens fuhr die Köchin zurück und verbarg sich hinter der Wand.
In demselben Augenblicke mußte der junge Soldat seinen Scherz büßen: ein Korporal hob seinen langen Stock und führte einige derbe Schläge auf die Beine des Kriegers, der für seinen Kaiser in die Schlacht zog, um ihm den Thron zu erhalten.
Diese Aufrechterhaltung strenger Mannszucht sahen die beiden Personen in der Küche nicht mehr, nur die Hunde und alten Weiber in den Fenstern der Häuser hatten Gelegenheit, sich darüber zu wundern.
– Kathi, rief Herr Czabo, Du zitterst ja am ganzen Körper!
– Es ist nichts, Herr, der übermüthige Soldat hat mich ein wenig erschreckt.
Der Apotheker trat mitleidig zu seiner Köchin und streichelte ihr sanft die Wangen. Fast wäre er in laute Bewunderung ausgebrochen über die Zartheit der weichen Haut, das hatte er nicht erwartet.
– Sei nur ruhig, sagte er fast stammelnd, ich bin ja Kommandant dieses Stadtviertels, es soll Dir niemand etwas zu Leide thun. Und wenn ich meine Sorge für Dich etwas mehr ausdehne, als ich sonst für meine Mägde gethan, so bedenke, daß ich Wittwer bin und niemandem Rechnung von meinen Handlungen schulde. Hörst Du, Kathi, vergiß nicht, daß ich Wittwer bin!
Noch einen freundlichen Blick warf er auf die erschreckte und erstaunte Magd, dann verließ er die Küche.
Nach einer Viertelstunde hatte Netti mit Kathi's Hülfe die Speisen aufgetragen und Herr Czabo setzte sich mit seiner kleinen Familie zu Tische.