Schwache Dünungen waren in der höchsten Klasse der Lehranstalt zu merken, wo sich jetzt junge Männer für allgemeine Fragen interessierten. So war die schwarze Tafel eines Morgens mit Namen vollgeschrieben. Der Direktor, der die Morgenzeitung noch nicht gelesen hatte, fragte, was diese Liste zu bedeuten habe. Es waren die Stockholmer Wahlen zur Zweiten Kammer. Darauf gab der Direktor einen Überblick über die Zusammensetzung der Kammer, äußerte Befürchtungen, ob die neue Volksvertretung auch von Nutzen für Land und Reich werden könne.

Man begann schon Unrat zu wittern; und die Begeisterung war vorüber.

Die Klasse war auch eingeteilt in Freihändler oder Schutzzöllner.

Eifrig wurde die Fräuleinreform besprochen. Johan hielt diese Reform für gut. Hatte er doch eben gesehen, wie drei alte Fräulein sich die Haare rauften und in feiner Gesellschaft den „Zeitgeist‟ verfluchten, weil der ehrlichen Leuten das nehme, was ihre Väter ehrlich erworben. Die Reform nahm aber den Fräulein nichts, denn sie durften ihren Titel behalten, gab nur allen das gleiche Recht. Es verhielt sich mit dem Titel ebenso wie mit der Seligkeit. Niemand schätzte ihn mehr, als er allen erlaubt wurde.

— Dann wird man die Mägde auch Mamsell nennen, schrie ein Fräulein.

— Mindestens, antwortete Johan.

Aber diese Reform ließ noch auf sich warten, aus unbekannten Gründen. Die Mägde sollten natürlich Fräulein genannt werden, aber man konnte sie zuerst wenigstens zu Mamsells erheben, damit sie nicht lächerlich gemacht würden.

Das Freidenkertum nahm an Ausdehnung zu. Johan hatte es nach der Predigt als einen Beruf, eine Pflicht empfunden, die neue Lehre auszubreiten und für sie einzutreten. Er begann also vom Morgengebet fortzubleiben und blieb in der Klasse sitzen, während die andern in den Betsaal zogen.

Der Direktor kam, um ihn und seine Mitschuldigen hinauszutreiben. Johan antwortete, seine Religion verbiete ihm, an einem fremden Kult teilzunehmen. Der Direktor berief sich auf Gesetze und Verfassung. Johan antwortete, die Juden brauchten am Gebet nicht teilzunehmen. Der Direktor bat ihn schön, des Beispiels wegen doch zu kommen. Er wolle doch kein schlechtes Beispiel geben. Der Direktor bat herzlich, freundlich; berief sich auf alte Bekanntschaft. Johan gab nach. Aber er sang die Kirchenlieder nicht mit und seine Kameraden auch nicht. Da geriet der Direktor außer sich und hielt eine Strafpredigt; nannte Johan bei Namen und schmähte ihn. Johan antwortete damit, daß er einen Streik organisierte.

Er und Gleichgesinnte kamen regelmäßig so spät zur Schule, daß das Gebet aus war, wenn sie anlangten Kamen sie doch zu früh, blieben sie im Flur sitzen und warteten. Dort beim Holzkasten trafen sie Lehrer, mit denen sie von diesem und jenem plauderten. Der Direktor entdeckte dies. Um die Aufrührer zu zermalmen, ließ er, sobald das Gebet zu Ende ging, während die Schule hoch versammelt war, die Tür zum Flur öffnen und die Revolutionäre hereinrufen. Diese defilierten mit frechen Mienen und unter einem Schauer von Schelte durch den Gebetsaal, aber ohne dort zu bleiben. Schließlich wurde ihnen dies zur Gewohnheit: aus freien Stücken traten sie ein und nahmen die Schelte hin, wenn sie durch den großen Gebetsaal zogen.