Im Herbst fuhr er nach Upsala. Die alte Grete packte ihm die Reisetasche, in die sie Kochgeschirr und Gedeck legte. Darauf zwang sie ihn, fünfzehn Kronen von ihr zu leihen.
Vom Vater erhielt er eine Tasche mit Zigarren und die Aufforderung, sich selber zu helfen.
Achtzig Kronen besaß er selbst; die hatte er sich durch Stunden erworben; mit denen wollte er das erste Vierteljahr auskommen.
Die Welt stand ihm jetzt offen. Die Eintrittskarte hatte er in der Hand. Blieb nur übrig, hinein zu kommen. Nur!
„Des Menschen Charakter ist sein Schicksal‟, war zu dieser Zeit eine beständige und sehr gebilligte Redensart. Jetzt, da Johan in die Welt hinaus sollte, um sein Schicksal zu machen, wandte er viele freie Stunden darauf an, sein Horoskop aufzustellen, indem er von seinem Charakter ausging. Er glaubte nämlich, sein Charakter sei fertig. Die Gesellschaft ehrt mit dem Namen Charakter die, welche ihre Stellung gesucht und gefunden, ihre Rolle übernommen, gewisse Gründe für ihr Betragen ausgedacht haben und nun automatisch danach handeln.
Ein sogenannter Charakter ist eine sehr einfache mechanische Einrichtung; er sieht die so äußerst verwickelten Verhältnisse des Lebens nur von einem Gesichtspunkt; er hat sich entschlossen, für sein Leben eine und dieselbe Ansicht über eine bestimmte Sache zu haben. Um sich nicht der Charakterlosigkeit schuldig zu machen, ändert er nie seine Ansicht, wie einfältig oder sinnlos sie auch sein mag. Ein Charakter muß also ein ziemlich gewöhnlicher Mensch sein und was man dumm nennt. Charakter und Automat scheinen zusammenzufallen. Dickens' berühmte Charaktere sind Puppen für Leierkasten und die Charaktere auf der Bühne müssen Automaten sein. Ein gut gezeichneter Charakter ist gleichbedeutend mit einer Karikatur.
Außerdem soll ein Charakter wissen, was er will. Was weiß man denn davon, was man will? Man will oder man will nicht, das ist alles. Sucht man über seinen Willen nachzudenken, hört der Wille gewöhnlich auf. In Gesellschaft und Leben muß man immer die Folgen bedenken, die eine Handlung über einen selbst und andere haben kann, und muß daher überlegen. Wer augenblicklich handelt, ist unklug, selbstsüchtig, naiv, unbewußt. Solche Menschen kommen weiter im Leben, denn sie sehen nicht nach, ob ihre Handlungen andern schaden können, sondern sie sehen nur darauf, welchen Nutzen die Handlung für sie selbst hat.
Johan hatte ja die christliche Gewohnheit angenommen, Herz und Nieren zu prüfen; so fragte er sich jetzt, ob er einen Charakter habe, der für einen Mann passe, welcher seine Zukunft machen will.