Er fragte sich wieder, was hast du hier zu tun? Den Doktor zu machen; vor allem aber den Rückzug vom Theater zu decken. Insgeheim wollte er wohl ein Stück schreiben, um sich unter dem Schutz des Erfolges dem Examen zu entziehen.

In der ersten Zeit fühlte er sich durchaus nicht wohl auf seiner einsamen Bodenkammer. Er war jetzt an Komfort gewöhnt, an große Zimmer, guten Tisch, Bedienung und Gesellschaft. Gewohnt, als Mann behandelt zu werden und mit älteren gebildeten Menschen zu verkehren, konnte er sich schwer darein finden, wieder Student zu sein. Aber er warf sich ins Gewimmel und hatte bald drei verschiedene Verkehrskreise.

Zuerst die Mittagsgesellschaft, die aus Medizinern und Naturforschern bestand. Von ihnen hörte er zum ersten Male den Namen Darwin; dieser Name flog an ihm vorbei wie eine Lehre, für die er noch nicht reif war.

Dann die Abendgesellschaft, die aus einem Theologen und einem Juristen bestand; mit denen spielte er Karten bis tief in die Nächte hinein.

Er glaubte jetzt nur deshalb in Upsala zu sein, um zu wachsen, älter zu werden; und daß es ziemlich einerlei war, was er tat, wenn nur die Zeit verbracht wurde. Er warf jetzt ein Trauerspiel „Erich XIV.‟ nieder. Fand es aber schlecht und verbrannte es, denn die Selbstkritik war erwacht und die Forderungen gewachsen.

Später im Semester kam er in eine dritte Gesellschaft, die dann sein besonderer Kreis wurde für die ganze Zeit in Upsala und noch länger. Zufällig traf er eines Abends einen älteren Kameraden, mit dem er die Privatschule besucht hatte. Sie sprachen von Literatur, und bei einem Glase Grog wurde der Plan entworfen, einige junge Dichter zu einer Gesellschaft zusammenzubringen. Das hieß eine Art Wirkungskreis schaffen.

Der Plan wurde ausgeführt. Außer Johan und dem zweiten Stifter wurden vier junge Studenten gewählt. Es waren vortreffliche Jünglinge, ideal angelegt, wie man sagt; hatten gute Vorsätze und schwärmten für unbekannte Ideale. Sie waren mit den Widerwärtigkeiten des Lebens noch nicht in Berührung gekommen, hatten vermögende Eltern, keine Sorgen und wußten noch nichts vom Kampfe ums Brot. Johan hatte eben die unangenehmsten Verhältnisse verlassen, Menschen gesehen, die sich immer die Zähne zeigten, eingebildete leere Schauspielereleven; jetzt sah er sich in eine neue Welt versetzt. Da gingen die seligen Jünglinge an ihren gedeckten Tisch, rauchten feine Zigarren, machten ihre Spaziergänge, poetisierten schön über das schöne Leben, das sie noch nicht kannten.

Satzungen wurden entworfen und die Verbindung nahm den Namen „Runa‟ an, der Lied bedeutet. Daß man sie Runa nannte, kam wohl von der nordischen Renaissance, die mit dem Skandinavismus gekommen war; von König Karl XV. in der Poesie, von Winge und Malmström in der Malerei, von Molin in der Bildhauerei geadelt wurde und jetzt ebenso schön in Björnsons und Ibsens Dramen aus dem alten nordischen Leben aufgelebt war. Auch trug das Studium der isländischen Sprache dazu bei, das eben an der Universität eingeführt war.