Er wurde hinausgeworfen.

Seitdem wurden alle Bestrafungen abgemacht, wenn Johan fort war. Man glaubte, er werde ihnen an die Kehle fliegen, wenn er etwas höre; und das war nicht ganz unwahrscheinlich.


Es gab auch eine andere Art, ihn zu beugen, eine schauderhafte Art, die leider oft in Familien Brauch ist. Man hielt ihn im Wachstum zurück, indem man ihn zwang, mit jüngeren Geschwistern umzugehen. Kinder werden oft dazu gezwungen, mit jüngeren Geschwistern zu spielen, ob sie einander sympathisch sind oder nicht. Das ist ein grausamer Zwang; aber ein älteres Kind zum Verkehr mit einem viel jüngeren zwingen, das ist ein Verbrechen gegen die Natur; das heißt einen jungen, wachsenden Baum verstümmeln. Johan hatte einen jüngeren Bruder, ein Kind von sieben Jahren, ein nettes Kind, das allen vertraute und keinem zu nahe trat. Johan achtete genau darauf, daß man ihn nicht mißhandelte und hatte ihn gern. Aber mit einem so kleinen Knaben sprechen oder vertraulich mit ihm verkehren, ging nicht, da er des Älteren Gedanken und Sprache nicht verstand.

Jetzt mußte er es. Am ersten Mai, als Johan mit Kameraden ausgehen wollte, sagte der Vater ganz einfach: Nimm Pelle mit und geh in den Tiergarten, aber achte auf ihn. — Widerspruch kam nicht in Frage.

Sie kamen in den Tiergarten, wo sie Kameraden trafen, und Johan empfand den kleinen Bruder wie einen Block am Bein. Er führte ihn, damit er nicht von den Leuten getreten werde, aber er wußte, daß er ihn nach Hause wünschte. Der Knabe sprach und zeigte auf Vorübergehende; Johan korrigierte ihn. Da er sich aber mit ihm solidarisch fühlte, schämte er sich in seinem Namen. Warum mußte er von neuem solche Empfindungen durchmachen, wie Scham für Fehler der Etikette, wenn er sie nicht selber beging? Er wurde steif, kalt, hart.

Der Knabe wollte das Kasperletheater sehen, aber Johan wollte nicht. Er wollte nichts von allem, was der Bruder wollte. Und dann schämte er sich über seine Härte. Verwünschte seine Selbstsucht, haßte sich, verachtete sich, konnte sich aber von den schlechten Gefühlen nicht befreien. Pelle verstand nichts; er sah nur traurig und entsagend aus, war aber geduldig und mild. — Du bist hochmütig, sagte Johan zu sich selbst; du raubst dem Kinde ein Vergnügen. Sei doch weich! — Aber er wurde hart.

Schließlich bat der Kleine Johan, ihm Pfefferkuchen zu kaufen. Johan peitschte sich, um den Einkauf zu machen. Aber wenn ihn jemand sähe? Ein Gymnasiast, der Pfefferkuchen kauft! Die Kameraden saßen in der Wirtschaft und tranken Punsch. Er kaufte die Pfefferkuchen und steckte sie dem Kinde in die Tasche. Dann gingen sie weiter.

Zwei Kadetten, die Johans Kameraden gewesen sind, kommen ihnen entgegen. Johan sieht sie auf sich zugehen. In diesem Augenblick reicht ihm ein Händchen einen Pfefferkuchen: — Da, Johan, hast du auch! — Er stößt das Händchen zurück. Und er sieht zwei blaue, treuherzige Augen, die fragend, bittend zu ihm aufsehen. — Er wollte vergehen, weinen, das verletzte Kind in seine Arme nehmen, es um Verzeihung zu bitten; das Eis auftauen, das sich in seinem Herzen kristallisierte. Er war ein Elender, der eine Hand fortstieß.

Sie gingen nach Hause.