— Glaubst du, die Bauern im Reichstag (er haßte die Bauern, jetzt aber brauchte er sie) haben Philosophie gelernt? Das glaube ich nicht, aber doch hauen sie den Professoren auf die Finger, daß es eine Lust ist. Ihr lernt soviel Unnötiges!
Damit war die Philosophie verabschiedet.
Auch des Vaters Sparsamkeit versetzte Johan in höchst unangenehme Lagen. Zwei Kameraden erboten sich, ihn während der Ferien in Mathematik zu unterrichten. Johan fragte den Vater um Erlaubnis.
— Ja, meinetwegen.
Als sie nachher aber ein Honorar bekommen sollten, meinte der Alte, sie seien so reich, daß man sie nicht bezahlen könne.
— Aber man könnte ihnen ein Geschenk geben, meinte Johan.
Sie haben nichts erhalten!
Er schämte sich ein ganzes Jahr und empfand zum ersten Male das schauderhafte Gefühl einer Schuld. Die Kameraden gaben zuerst feine Winke, dann grobe. Er wich ihnen nicht aus, lief hinter ihnen her, um seine Dankbarkeit zu zeigen. Er fühlte, daß sie Stücke seiner Seele, seines Körpers besaßen, daß er ihr Sklave war und daß er nicht frei werden konnte. Oft machte er Versprechungen, indem er sich einbildete, sie erfüllen zu können; aber sie wurden nie erfüllt, und die Schuldenlast wurde durch gebrochene Gelübde vermehrt. Es war eine Zeit endloser Qualen, die damals vielleicht noch bitterer waren, als sie ihm später in der Erinnerung vorkamen.
Um ihn im Wachstum zurückzuhalten, wurde auch die Konfirmation aufgeschoben. Er lernte Theologie in der Schule und las die Evangelien auf Griechisch, aber er war nicht reif für die Konfirmandenprüfung!
Der Zwang im Elternhause wurde um so drückender, je mehr seine Stellung in der Schule die eines freien Mannes wurde. Er hatte als Gymnasiast dort Rechte erhalten. Er konnte die Klasse verlassen, ohne erst um Erlaubnis bitten zu müssen; blieb bei den Fragen sitzen und wagte dem Lehrer seine Meinung zu sagen. Er war der Jüngste in der Klasse, saß aber unter den Ältesten und Längsten. Die Lehrer traten mehr als Vorleser auf, als daß sie Aufgaben abfragten.