Er ging zum Vater. Der faßte das Ganze als eine Phantasie auf; sprach von dem nahen Studentenexamen, das ihm eine ganze Welt öffnen werde. So mußte er vorläufig die Sache aufschieben.

Die Stiefmutter hatte einen Sohn bekommen. Johan haßte den aus Instinkt, als einen Konkurrenten, der seine jüngeren Geschwister in den Hintergrund drängen mußte. Aber die Macht der Freundin und des Pietismus war so stark, daß er aus Selbstkasteiung sich auferlegte, den Kleinen zu lieben. Er trug ihn auf seinen Armen und wiegte ihn.

— Das ist sicher gewesen, wenn niemand es sah, sagte die Stiefmutter, wenn er mit diesem Beweis seines guten Willens kam.

Ja, eben, wenn niemand es sah, denn er wollte nicht damit prahlen. Oder schämte sich darüber. Das Opfer war aufrichtig, als es geschah; als es ihm widrig wurde, hörte es auf.


Gründlich wurde man für die Konfirmation zurechtgewiesen, privatim wie öffentlich, im halbdunkeln Chor der Kirche, während einer Reihe von Passionspredigten, endlosen Gesprächen über Jesus, Kasteiungen; höher konnte die Stimmung nicht hinaufgeschraubt werden. Nach der Prüfung schalt er die Freundin aus, weil er gesehen hatte, wie sie lachte.

Am Tage des Abendmahls hielt der Pfarrer die Predigt. Es war der wohlwollende Rat eines alten aufgeklärten Mannes, den er der Jugend fürs Leben gab; es war herzlich und tröstend; keine Posaunen des Gerichts, keine Strafe für nicht begangene Sünden. Während der Predigt fielen ihm die Worte oft wie Balsam aufs verwundete Herz, und zuweilen kam es ihm vor, als habe der Alte recht.

Der Akt selbst am Altar, von dem er sich soviel versprochen hatte, verfehlte seine Wirkung. Die Orgel spielte stundenlang „O Lamm Gottes, erbarme dich unser‟. Knaben und Mädchen weinten und waren halbtot, wie beim Anblick einer Hinrichtung. Aber Johan war nur benommen; er wußte weder aus noch ein. Die Gnadenmittel hatte er im Küsterhause aus der Nähe gesehen, und die Sache war jetzt bis ins Sinnlose getrieben. Sie war reif zum Fallen. Und sie fiel!


Er bekam einen hohen Hut; erbte die abgelegten Kleider des Bruders, die weit und fein waren. Der Freund mit dem Kneifer nahm sich jetzt seiner an. Er hatte ihn allerdings auch nicht verlassen, als Johan Pietist war. Der nahm die Sache leicht, wohlwollend, nachsichtig; bewunderte ein wenig das Märtyrertum und den festen Glauben, den Johan in Handlung umsetzen wollte. Jetzt aber griff er ein. Er nahm Johan mit auf den Mittagspaziergang. Zeigte ihm die Schönheiten der Stadt; sagte ihm die Namen der Schauspieler, die sie trafen; nannte die Offiziere, welche die Parade anführten. Johan war noch schüchtern und besaß kein Selbstvertrauen.