»Jetzt denke ich blau, jetzt sehe ich blau; ich weiß, wo ich bin, aber ich habe es vergessen, und ich bin nicht hier. Ich weiß, wie du heißt, aber ich will deinen Namen nicht nennen, denn du bist nicht die, die du bist. Weißt du, was die Gevatterschaft war? Das war eine geistige Verwandtschaft, die zwischen den Paten des gleichen Kindes vorhanden sein sollte. Ich glaube an so etwas, an die selbständige Existenz der Seelen außerhalb der Körper; und an geistige Blutschande. Wir müssen auf irgendeine unbekannte Art Geschwister sein, deshalb bekommen wir kein Kind; deshalb tragen wir an einer Schuld und an einem Schamgefühl, das wir nicht erklären können. Du bist nicht die, die du bist, denn wenn du abwesend bist und ich dich mir vorzustellen versuche, wirst du eine andere.«

»Wer bin ich dann?«

»Bisweilen meine Mutter, bisweilen meine Schwester, bisweilen … Weißt du, ich glaube, die Seelen leben so unabhängig von den Körpern, daß sie in fremde Rinde einen Schößling senken und saprophytisch darauf leben können. Die Flechte, die auf Bäumen und Steinen wächst, ist eine Vereinigung von Alge und Pilz, eine Gemeinschaft, die man Symbiose nennt. Das ist die Ehe, die geistige meine ich, und die Ähnlichkeit von Ehegatten ist die noch unerklärte Bildkraft der Seele, die Materie umzukneten. Ich hatte deinen Vater gesehen, aber nie deine Mutter, als ich einmal im Theater einige Reihen vor mir den Nacken einer Dame sah, der meine Aufmerksamkeit erregte. Ich wendete mich zu meiner Gesellschaft und sagte unwillkürlich: ›Der Nacken dieser Dame erinnert mich an Gustav Borg!‹ ›Ja, das ist seine Frau,‹ sagte man mir! Wenn es das Gesicht gewesen wäre, hätte man die Wirkung der Anpassung im Verkehr begreifen können, aber ein Nacken! Das klingt ja wie eine Fabel.«

»Es werden allerdings Zwillinge geboren,« begann Esther, »aber man kann auch dazu werden. Meine Mutter hatte eine Zwillingsschwester, und als die sich einmal in die Hand schnitt, fühlte meine Mutter, die weit entfernt war, den Schmerz. Du und ich, wir sind Zwillinge geworden, aber wir müssen aufhören, es zu sein.«

»Ich glaube, wir sterben im selben Augenblick, da das Band zerschnitten wird. Der Trennungsschmerz ist das größte aller Leiden, aber wir müssen dahin!«

»Kannst du dir ein Ende denken?«

»Nein! Und das, was man sich nicht denken kann … das existiert nicht.«

Sie gingen wieder weiter, um den Platz zu wechseln, und kamen auf die Schanze.

Kläffende Hunde begrüßten sie, und Max schrumpfte vor Schmerz zusammen.

»Diese Tiere hier? Gibt es denn keine Menschen in Schweden?«