– Siehst du! Beginn mit der Mathematik, geh dazu über, ihr den Schal umzulegen und ihr die Überschuhe zuzuknöpfen. Bring sie abends nach Haus. Trink mit ihr und küss sie, wenn Gurli es sieht. Ist es nötig, so sei zudringlich. Oh, sie wird nicht böse werden, das kannst du mir glauben. Und dann viel Mathematik, so viel, dass Gurli still dasitzen und schweigend zuhören muss. In acht Tagen komm wieder und erzähle mir den Verlauf!
Der Kapitän ging nach Haus, las die letzten Broschüren über die Unsittlichkeit und ging dann ans Werk.
Acht Tage später sass er heiter und vergnügt bei seiner Schwiegermutter und trank ein gutes Glas Sherry. Er war direkt fröhlich.
– Erzähle, erzähle, sagte die Alte und schob die Brille in die Höhe.
– Es war eine harte Arbeit, die ersten Tage, denn sie misstraute mir. Sie glaubte, ich triebe meinen Scherz mit ihr. Dann aber sprach ich davon, welch unerhörten Einfluss die Wahrscheinlichkeitsrechnung in Amerika auf die Sittlichkeitstatistik gehabt habe. Sie habe ganz einfach Epoche gemacht. Das wusste sie nicht und das reizte sie. Ich nahm ein Beispiel und zeigte mit Zahlen und Buchstaben, dass man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit berechnen könne, wie viele Frauen fallen. Das setzte sie in Erstaunen. Jetzt sah ich, dass sie neugierig wurde und sich einen Trumpf für die nächste Sitzung verschaffen wollte. Gurli freute sich, dass Ottilie und ich Freunde wurden, und sie brachte uns direkt zusammen. Sie stiess uns in mein Zimmer und schloss die Tür; und dort sassen wir und rechneten den ganzen Nachmittag. Sie war glücklich, die Hexe, denn sie fühlte, dass sie etwas durch mich gewann, und in drei Stunden waren wir Freunde. Beim Souper fand meine Frau, Ottilie und ich seien so alte Bekannte, dass wir uns duzen müssten. Ich holte meinen alten guten Sherry hervor, um das grosse Ereignis zu feiern. Und dann küsste ich sie mitten auf den Mund, Gott verzeihe mir meine Sünden. Gurli sah etwas verdutzt aus, wurde aber nicht böse. Sie war lauter Glück. Der Sherry war stark und Ottilie war schwach. Ich half ihr mit dem Mantel und brachte sie nach Haus. Drückte ihren Arm unterwegs und erklärte ihr die ganze Sternkarte. Ah! Sie war hingerissen! Sie habe immer die Sterne geliebt, aber nie lernen können, wie sie heissen. Die armen Frauen dürften eben nichts lernen. Sie schwärmte ordentlich und wir trennten uns als die allerbesten Freunde, die einander so lange, so lange verkannt hatten.
Am nächsten Tag noch mehr Mathematik. Wir sassen dabei bis zum Souper. Gurli kam einige Male herein und nickte uns zu. Aber bei Tisch wurde nur Mathematik und Sterne gesprochen, und Gurli sass still dabei und musste zuhören. Dann brachte ich sie nach Haus. Aber auf dem Rückweg traf ich einen befreundeten Kapitän. Wir schlüpften ins Grand Hotel und tranken ein Glas Punsch. Erst um ein Uhr kam ich heim.
Gurli sass auf.
– Wo bist du so lange gewesen, Wilhelm? sagte sie.
Da fuhr der Teufel in meine Seele und ich antwortete:
– Wir haben unterwegs so lange geplaudert, dass ich ganz vergass, was die Uhr war.